Reich der Schatten
  Startseite
    News
    verlorene Projekte
    Scraps
    Experiences
    Geschichten
    Fanfictions
    Berichte/Reviews
    Gedichte
    Schulprojekte
  Über...
  Archiv
  Flucht vor der Welt
  Spiegelscherbe
  Crime School
  Incomplete
 
  In my Life
  If you ever
  Freundschaft...
  Please hurt me
  Gästebuch
  Kontakt
  Abonnieren

http://myblog.de/aschwarzerengel

Gratis bloggen bei
myblog.de



Crime school


Er knallte hin. Mühsam versuchte er sich aufzurappeln und blickte hoch.
Dort stand einer der schlimmsten Typen der Schule und grinste auf ihn hinunter. Also war er nicht von alleine hingefallen, sondern man hatte ihm ein Bein gestellt. Mal wieder.
„Na, Kleina. Mal wieder tolpatschig.“ Ein fieses Grinsen lag auf dem Gesicht des Jungen.
Er versuchte ohne ein Wort zu sagen fort zu gehen. Schon wieder wäre er fast über einen Fuss gefallen. Diesmal von einem dessen Leute. Erneut lachten sie über ihn. Ohne sich noch einmal umzudrehen beeilte er sich in das Klassenzimmer zu kommen. Dort erblickte er auch schon einen Freund. Erleichtert seufzend ging er zu ihm und setzte sich neben ihm hin.
„Hey, Kami. Haben sie dich wieder herumgeschubst?“ fragte Ian besorgt.
„Ach, ist schon in Ordnung.“
„So....und warum blutest du dann am Kopf.“
Verwundert tastete Kami seinen Kopf ab und spürte dann eine kleine Wunde. Er hatte das gar nicht bemerkt, weil er nur damit beschäftigt gewesen war von den Neckbreakers, wie sie sich nannten, zu verschwinden.
„Ich frag mich immer noch, warum sie ausgerechnet dich mehr quälen als alle anderen.“
Kami zuckte nur mit den Schultern.
Dann wurde ihr Gespräch von dem Stundenklingeln unterbrochen.
Die Lehrerin kam hereingerannt. Wie immer dauerte es eine Weile bis sie die Klasse halbwegs beruhigt hatte und der Unterricht richtig begann.

Kami hatte sich schon längst mit der Situation an der Schule abgefunden. Wie die meisten. Ian war anders. Er konnte und wollte sich damit nicht abfinden. Aber was konnte er schon tun?
Die Schule lag genau an der Grenze zwischen dem Viertel der einfachen Leute und dem der Verbrecher, Junkies und Obdachlosen. So mussten die Kinder zweier so verschiedener Gruppen auf eine Schule gehen. Wenigstens hatten sie die Klassen danach eingeteilt, sodass sie wenigstens einen halbwegs vernünftigen Unterricht hatten. Manchmal wünschte sich Kami, dass die Polizei mal so richtig aufräumen würden, aber da gab es ein gravierendes Problem. Der Anführer der Neckbreakers war der Sohn des größten Gangsterbosses der Stadt. Er schmierte die Polizei, außerdem konnte er dafür sorgen, dass kein Polizist von denen, die die Schule stürmen würden, mehr lange leben würde. Die Schule war das Revier des Neckbreaker, seines Sohnes.
Oft dachte Kami über diese Situation nach, aber es brachte nichts. Wie so oft hatte er nur einen Teil des Unterrichts mitbekommen und stattdessen sein Blatt Papier mit Kringel, Strichen und Kreisen verziert.
Endlich kam das erlösende Klingeln. Erlösend vom Unterricht, aber es bedeutete auch wieder den Neckbreakers und den anderen kriminellen Jungs ausgeliefert zu sein.
„Mensch Kami, du hast ja schon wieder nichts mitgeschrieben.“ Ian bemerkte den bittenden Blick seines Freundes. „Ja, du kannst sie dir von mir ausleihen.“
Sie verließen den Raum.
„Hey, Kleina. Willst du nicht mit auf das Mädchenklo kommen. Ich kann dir so einiges zeigen,“ bot sich ein knapp bekleidetes Mädchen an. Auch eine Schülerin. Sie hieß Xiana und war sehr hübsch, dass wusste Kami.
„Biet dich jemand anderem an. Der ist unter deinem Niveau.“ Fuhr eine Stimme dazwischen. Neckbreaker, wer sonst. Das Mädchen verzog sich schnell und suchte sich jemand anderen.
„Du hättest es ihr eh nicht so besorgen können, Kleina, wie sie es braucht.“ Damit wandte der Typ sich ab und ging zu seinem Kumpel. Ohne ihn sah man ihn nie. Man nannte ihn Schlange. Woher der Name kam, wusste niemand so genau. Er wirkte nur halb so gefährlich wie alle anderen an der Schule und doch war einer der wichtigsten Drahtzieher. Alles was nicht direkt über den Neckbreaker lief, lief über ihn.
„Hey Ian. Kommst du mit draußen ne Kippe rauchen.“
„Yo, ich glaube, ich könnte auch gut eine vertragen.“
Sie machten sich auf dem Weg nach draußen.
„Hey, hast du schon gesehen, dass die Projektkurse aushänden, die wir wählen können. Komm, lass uns die mal anschauen.“ Sie gingen noch zur großen Pinwand.
Kami überflog sie gelangweilt, dann sah er einen. Es war der richtige für ihn. Seine Augen begannen zu leuchten und eine Leichtigkeit erfasste sein Herz.
Ian grinste neben ihm.
„Perfekt, oder? Komm, tragen wir uns gleich ein.“ Beide trugen sich in den Projektkurs „Musik und Band“ ein.
Der Rest des Tages verging für Kami wie in Windeseile. Eine solche gute Laune, hatte er lange nicht mehr gehabt. Als es ihm dann auch noch gelang endich einen seiner Songtexte fertig zu stellen, war der Tag perfekt.
Seine gute Stimmung hielt aber nur begrenzt. Als Ian und er den Raum des Projektkurses eine Woche später betraten, kam es ihm vor wie ein Alptraum. Der Neckbreaker war mit Schlange und einem Mädchen bereits da. Am Anfang bemerkte dieser Kami gar nicht. Fiel mehr sah es so aus, als würde er das Mädchen gleich direkt an der Wand nehmen. Er hatte ihren engen Rock bis über den Po hoch geschoben und man sah ihren rosanen Tanga. Der Projektleiter ein. Mr. Snippers. Neckbreaker schickte das Mädchen fort und setzte sich mit Schlange auf eine Tisch. Kami und Ian traten weiter ein. Als sie von ihm bemerkt wurden, starrte er sie wütend an.
Überrascht schaute Kami zurück. Das war ungewöhnlich. Verachtend, ja. Hämisch und fies auch. Aber so sauer hatte er ihn noch nie angeschaut. Etwas unbehaglich setzte er sich.
„So.....das ist also der Projektkurs Musik. Wir sind....“ Mr Snippers zählte, „Wir sind 9 Schüler. Ich dachte wir versuchen mal etwas besonderes auf die Beine zu stellen. Eine Band. Aber es können nicht alle in die Band. Dafür sind wir zu viele. Aber auch die anderen werden mit an ihr arbeiten. Wir brauchen Techniker, Leute die ein Logo entwerfen und außerdem wird zusammen von allen entschieden, welche Lieder gespielt werden und welche nicht. Fragen, Meinungen?“
Fünf Leute meldeten sich und das waren alles ihm unbekannte Gesichter.
„Warum müssen wir in einem Projektkurs mit so einem sein?“ Dabei zeigte der Junge auf den Neckbreaker.
„Nun, weil hier jeder eine Chance bekommt. Dabei fällt mir eine Regel ein. Jeder der innerhalb des Projektkurses scheiße baut, egal wer, kann sich einen anderen suchen. Klar?“
Kami fragte sich, was der Blickaustausch zwischen dem Lehrer und dem Neckbreaker zu bedeuten hatte. Irgendwie hatte es so ausgesehen als hätten sie sich kurz darüber etwas mitgeteilt.
„Kia, du bist das einzige Mädchen. Ist das ein Problem für dich, sodass du den Projektkurs wechseln willst, oder geht das in Ordnung.
„Kein Problem....“ meinte diese gleichgültig. Kami schaute zu ihr. Sie war hübsch, intelligent und....irgendwie schwer erreichbar für ihn. Er wusste nicht, wie lange er schon auf sie stand. Manchmal unterhielten sie sich miteinander aber er hatte sich nie getraut sie auf ein Date oder dergleichen anzusprechen. Ian hatte ihn deswegen schon ein paar mal versucht ihn dazu zu überreden.
„So, wer von euch hat denn schon Erfahrung mit Musik. Kann singen, Instrumente spielen oder Lieder schreiben?“ Bei seinem letzten Beispiel schmunzelte Mr. Snippers, weil er daran selbst nicht glaubte.
Unsicher sah Kami sich um. Er wagte es kaum sich zu melden.
Einer meinte, er könne Flöte. Ein anderer meinte er könnte etwas Gitarre, aber nicht viel. Kia hatte ein musikalisches Gehör und konnte erkennen welche Töne gespielt werden, sodass es für sie nicht schwierig war, an die Noten anderer Bands zukommen.
„Und, was ist mit dir Neckbreaker?“ fragte Mr. Snippers mit freundlicher Aufforderung.
Einen Moment wirkte es als würde er sich wiedersetzen, doch dann sagte er: „Schlagzeug.“
Schlange meinte dann, dass er schon seit ein paar Jahren Bassgitarre spielte.
„Hey, Kami, Ian, was ist mít euch.“
„Ich spiele gerne E-Gitarre.“ Meinte Ian und sah abwartend zu Kami. Seufzend übernahm er es dann für ihn zu antworten.
„Er kann Singen, Songtexte schreiben, Schlagzeug spielen und n bisschen rumklimpern auf einer Gitarre.
Erstaunte Blicke wandten sich Kami zu. Während die meisten davon beeindruckt und ungläubig wirkten, war das zornige Funkeln in Neckbreakers Augen stärker geworden. Einen Moment meinte Kami sogar eine kleine Unsicherheit in dessen Augen bemerkt zu haben. Aber da hatte er sich sicher getäuscht.
Schlange beugte sich zu Neckbreaker und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Es wirkte als wolle er ihn beruhigen.
„Okay.....am besten wir hören uns beim nächsten Mal von den Musikern unter euch etwas an um dann zu sehen, was wer macht. Also übt noch einmal oder überlegt euch irgendetwas. Das reicht für unser erstes Treffen. Ab nach Hause mit euch.“ Mit diesen Worten schmiss Mr. Snippers sie raus.
Kaum waren sie auf dem Schulhof als Neckbreaker sich den Jungen schnappte, der etwas gegen seine Anwesenheit geäußert hatte. Es kam nicht so oft vor, dass er sich mit Schwächeren selbst schlug. Das übernahmen sonst seine Leute. Diesmal sah es aber aus als würde er den Jungen nicht nur selbst zusammen schlagen sondern ihn auch nicht mit einem blauen Auge davon kommen lassen.
Als Kami seinen Blick auf sich spürte, wusste er, dass es auch seine Schuld war. Dass er die Wut auf ihn an diesem Jungen ausließ. Er wollte ihm helfen, aber was konnte er schon tun?
So wollte er wie alle anderen auch einfach nach Hause gehen. Da bemerkte er Kia, die Neckbreaker von dem Jungen fort zog und auf ihn wie wild einredete, wobei sich dieser etwas zu beruhigen schien. Leider konnte Kami nicht mehr sehen, denn er musste schnell weiter gehen, wenn er sich nicht neuen Ärger aufhalsen wollte.

Eine Woche später hatten sie wieder Projektkurs. Die Jungs, die keine Instrumente spielen konnte, versuchten zu singen, aber ihre Stimmen waren nicht geeignet und sie trafen auch keinen Ton. Schlange und Ian spielten auf ihren Gitarren etwas vor und alle waren begeistert. Dann kam Neckbreaker. Er schlug auf die Drums. Einen Moment dachten alle, er würde weiter einfach so draufhämmern ohne jedes Gefühl und ohne Melodie. Doch dann begann er richtig zu spielen. Es war ein rockiges Stück und er war gut. Sehr gut.
Kami war unsicher ob er überhaupt noch danach sich hinters das Schlagzeug setzen sollte. Selbst wenn er halbwegs so gut spielte wie der Tyrann, dann würde dieser ihn fertig machen, wenn sie ihn als Drummer würden statt ihn.
Ian gab ihm einen Schubs. „Nu los, mach schon.“ Un setzte dann flüsternd hinzu. „Du willst doch Eindruck auf Kia machen, oder?“
Seufzend setzte sich Kami ans Schlagzeug. Er überlegte kurz, was er spielen sollte. Dann legte er los. Auch bei ihm klatschten alle. Außer Neckbreaker natürlich.
Ein Grinsen huschte über Kamis Gesicht. Es freute ihn, dass ihnen gefiel, wie er spielte. Er lebte für die Musik und es bedeutete ihm deswegen sehr fiel.
„So, das heißt wir haben genau vier Leute, die etwas von Musik machen verstehen. Das Problem ist nur, dass wir zwei Drummer haben und keinen Sänger......“
„Ian hat doch gesagt, dass Kami singen kann,“ warf Kia ein.
„Stimmt. Okay, Kami, magst du es nicht einmal probieren?“
Er sammelte seinen ganzen Mut und begann zu singen. Erst als er geendet hatte, öffnete er wieder die Augen und stellte fest, dass er einen eigenen Song gesungen hatte.
Die anderen sahen ihn sprachlos an.
„Das war klasse. Von wem ist das Lied?“ fragte Kia begeistert.
Verlegen kratzte Kami sich am Kopf. „Den habe ich geschrieben.“
„Dann haben wir ja alles. Einnen Bassisten, einen Gitarristen, einen Drummer und einen Sänger. Dazu jemanden der Songtexte schreiben kann und jemand der uns hilft auch ein paar Lieder zu covern.
Was uns noch fehlt ist ein Bandname. Hat jemand eine Idee?“
„Creepers.“
„Shouters“
„Das hört sich furchtbar an,“ entgegnete Neckbreaker ungehalten.
„The Rasmus,“ entfuhr es Kami spontan. Er wusste selbst nicht woher die Idee kam.
Unwillig nickte Neckbreaker. Alle starrten ihn überrascht an. Das er ausgerechnet Kamis Vorschlag zustimmte...
Mit genervten Anblick bemerkte er das Starren. „Hey, wenn ich schon in einer Band mit so einem Trottel spiele, soll sie wenigstens einen vernünftigen Namen haben.“
Die anderen lächelten etwas. Sie wussten, dass das bei ihm schon fast ein Kompliment war.

Kami hatte sich geirrt als er dachte, dass Neckbreaker ihn jetzt in Ruhe lassen würde. Immer noch stellte dieser ihm Beine oder spielte ihm andere ‚Streiche’.
Ein paar mal hatte er ihn schon mit Drogen dealen sehen.
Als er nach der 4. Projektkursstunde den Weg nach Hause einschlagen wollte, fiel ihm auf, dass er etwas vergessen hatte. Seinen Notizblock. Gerade als er den Raum betreten wollte, hörte er Stimmen und lugte vorsichtig hinein.
„Cian.....du weißt, was ich davon halte. Hör endlich auf damit.“ Cian? Der Neckbreaker hieß in Wirklichkeit Cian? Dieser Name klang aber nicht sonderlich gefährlich.
„Nennen sie mich nicht so. Es könnte jemand hören,“ antwortete dieser mehr trotzig als sauer.
„Hier ist doch keiner. So und jetzt geh nach Hause. Ich muss auch los.“
„Auf wiedersehen.“ Der Neckbreaker, oder viel mehr Cian, war auf dem Weg aus dem Raum und Kami überlegte fieberhaft, wo er sich verstecken konnte. Sollte Cian ihn hier erwischen, würde er er dafür sorgen, dass seine Leben zur Hölle würde. Dessen war er sich sicher.
Kami ging eilig ein paar Meter zurück und tat dann so, als würde er erst jetzt auf den Raum zu kommen. Als Neckbreaker an ihm vorbeikam, spürte Kami, wie dieser ihm einen finsteren Blick aus den Augenwinkeln zu warf. Ohne es verhindern zu können lief ihm eine Gänsehaut über den Rücken.
„Huch, Kami, was machst du denn hier?“ fragte Mr Snippers verwundert.
„Ich hab meinen Notizblock vergessen.“ Kami steckte ihn sich in den Rucksaack, dann entschied er sich, die Frage zu stellen, die ihn seit Beginn des Projektkurses beschäftigte.
„Glauben Sie, es funktioniert mit der Band trotz der Gegensätzlichkeit?“
„Du meinst, obwohl Neckbreaker und Schlange die schlimmsten Typen der Schule sind und ständig ihre Mitschüler drangsalieren?“
Kami nickte.
„Davon bin ich überzeugt. Ich denke sogar, dass es helfen wird die Situation etwas zu verbessern. Ich kenne die beiden schon lange und Musik ist ihnen wichtiger als schmutzige Geschäfte. Deswegen hoffe ich, dass es einen positiven Einfluss hat. Nun aber husch nach Hause.“
Nachdenklich machte sich Kami auf den Heimweg.




Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung