Reich der Schatten
  Startseite
    News
    verlorene Projekte
    Scraps
    Experiences
    Geschichten
    Fanfictions
    Berichte/Reviews
    Gedichte
    Schulprojekte
  Über...
  Archiv
  Flucht vor der Welt
  Spiegelscherbe
  Crime School
  Incomplete
 
  In my Life
  If you ever
  Freundschaft...
  Please hurt me
  Gästebuch
  Kontakt
  Abonnieren

http://myblog.de/aschwarzerengel

Gratis bloggen bei
myblog.de



inspiriert bei Samsas Traum

Part I

Sie schmieg sich dichter bei ihm an. Mit geschlossenen Augen legte sie ihre Hand auf seinen Bauch und ein wohliges Gefühl der Wärme und Liebe breitete sich in ihr aus. Mit den Fingerspitzen fuhr sie streichelnd über seine Haut und lauschte seinen ruhigen Atemzügen. Dabei spürte sie das unregelmäßige Muster, das seinen ganzen Körper bedeckte.
Sie schlug die Augen auf und betrachtete ihm im fahlen Licht des Mondes. Er lag ruhig da. Unbewegt. Gerade. Die Arme dicht an am Körper. Im Schlaf lag er immer so da. Auch wenn sie sich oft an ihn anschmiegte, hatte er zum Schlafen noch nie den Arm um sie gelegt. Am Anfang hatte sie es nicht verstanden. War verletzt gewesen. Doch jetzt verstand sie. Er konnte es nicht und würde es nie können deswegen.
Sie musste sich noch einmal jede Einzelheit von ihm anschaun. Die Hände, schlank aber männlich. Am Handgelenk eine Narbe von seinem ersten Selbstmordversuch. Eigentlich perfekte Arme, die weder zu breit noch zu dünn waren. Über den Ellenbogen viele Narben von Schnitten. Nicht nur dort. Auf seinem ganzen Oberkörper Narben und Brandmale.
Eine leichte Wehmut breitete sich in ihr aus, als sie diesen geschundenen Körper betrachtete. Dieser wundervolle, wunderschöne Mensch neben ihr, der so viel gelitten hat. Sich selbst so viel angetan hatte.
In dem fahlen Mondlicht wirkte seine Haare grau, wie bei einem alten Mann. Passend, wirkte er doch oft nicht wie 25, sondern 52 Jahre alt.
Sie strich ihm eine seiner braunen Haarsträhne aus dem Gesicht. Er wendete ihn auf die andere Seite, sonst zeigte er keine Reaktion.
Das Bild von ihm mit Bettdecke bis zur Hüfte brannte sich immer tiefer in ihren Kopf. Dieser Mensch. So faszinierend. So nah bei ihr und doch so fern. So fern, dass sie ihn nie ganz erreichen könnte. Wenn sie die Macht hätte, würde sie ihn vor der Welt und sich selbst beschützen.
Aber sie konnte es nicht. Tränen sammelten sich in ihren Augen und liefen ihr die Wange herunter. Nein, sie konnte es nicht. Sie hatte es gedacht, aber sich geirrt. Nie mehr sollte er sich selbst Schmerzen zu fügen. Es war eine Abmachung gewesen. Er hatte es ihr versprochen. Stattdessen hatte er mit ihr reden, schreiben oder einen anderen Weg finden sollen. Doch sie hatte sie entdeckt. Die frischen Schnitte.
Auf einmal hatte sie sich eingestehen müssen, dass es nie einen anderen Weg geben würde. Das diese vernarbte Seele nur mit einem immer weiter vernarbten Körper leben konnte. Dass jedesmal wenn die Narben der Seele wieder aufrissen auch die des Körpers wieder schmerzen mussten.
Es gab nur eins, was sie tun konnte um ihn zu beschützen und zu helfen.
Leise stieg sie aus dem Bett und ging auf Zehenspitzen in ein anderes Zimmer. Aus dem Schrank holte sie eine schwarze Kiste hervor. Dadrinnen, auf rotem Samt eine Spiegelscherbe. Sie hatte ihn kennen gelernt als er sein eigenes Spiegelbild zerschlagen hatte. Hatte seine aufgeschlagenen Fingerknöcheln versorgt, während er mit leerem Blick nicht einmal den Schmerz gespürt hatte.
Vorsichtig nahm sie die Scherbe heraus, eine von diesem Tag. Als sie sich selbst darin sah, fühlte sie nichts mehr. Ruhe hatte sich in ihr ausgebreitet. Langsam und leise kehrte sie in das Schlafzimmer zurück. Vorsichtig setzte sie sich auf das Bett. Sanft streichelte sie ihn über die Wange und er schlug die Augen auf.
Er erblickte die Spiegelscherbe und wusste was passieren würde. In seinen Augen konnte sie das Einverständnis lesen.
Einmal sollten sich ihre Lippen noch berühren, bevor ihr beides Ende kam. Langsam löste sie ihre Lippen von den Seinen und schaute ihm ein letztes Mal in die Augen.
Traurige, liebevolle, erwartungsvolle Augen.

PartII folgt bald



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung