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Reich der Schatten
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Please hurt me
Er schaute zu Kaya. Wie isoliert saß sie an ihrer Bank alleine. Manchmal war sie in den Pausen von Leuten umringt, aber meist blieb sie wie jetzt für sich. Irgendwie war sie komisch. Sie meldete sich nie im Unterricht, wie er selbst, kam öfter zu spät und musste hin und wieder Sprüche über sich ergehen lassen. Obwohl sich kaum einer einzeln traute etwas gegen sie zu sagen, nur in der Gruppe.
Schon früher hatte er sich ein paar mal mit ihr unterhalten, aber das war schon fast ein Jahr her.
Erst gestern hatte er sie wieder richtig bewusst wahrgenommen. Als sie ihn das zweite mal diese Woche umgerannt hatte.
Beim ersten Mal hatte sie sich mit vielen Worten entschuldigt, hatte ihn aber dabei nicht einmal angesehen oder auch nur erkannt. Gestern war es ähnlich gelaufen, nur hatte sie ihn laut beschimpft bevor sie davonging. Seltsam.
Auf jeden Fall hatte er den Eindruck, dass sie sich auch nicht sonderlich viel aus der Meinung anderer machte oder sich für diese interessierte und das brachte ihr einen Pluspunkt ein.
Als es klingelte schreckte er aus seinen Gedanken hoch. „Ach, der Herr Williams beehrt uns in der Pause auch mal wieder mit seiner geistigen Anwesenheit. Vielleicht sollte ich beim nächsten mal einen Teil der Stunde in die Pause verlagern, damit der Herr auch etwas vom Unterricht mit bekommt?“
Scheiß Lehrer, dachte er sich nur und verließ wie die anderen den Raum. Doch er kam nicht weit.
„Ryan, hey, Ryan!“ Ben winkte ihm hektisch zu. So schlängelte er sich zwischen den Mitschülern durch. „Hey, was gibt’s denn? Du wirkst so aufgeregt.“
„Wir dürfen nächste Woche in der Aula auftreten. Stell dir das mal vor! Den anderen hab ich es schon erzählt.“
„Ernsthaft?“ Ryan konnte es nicht fassen. Das war endlich mal eine Chance.
„Ja! Man das ist so geil, aber dafür müssen wir uns richtig ins Zeug legen und viel proben. Gott, dass gibt wieder Ärger mit Tara.“ Ben grinste zufrieden.
Ryan schmunzelte amüsiert und sah hinter ihm das Mädchen bereits kommen. „Wenn du von deinem Engel sprichst......Ich wird dann mal, sonst bin ich wieder schuld, dass du so viel Zeit mit der Band verbringst.“ Er winkte noch kurz und ging dann in die Raucherecke.
Kaya unterhielt sich gerade mit ein paar Typen, verließ dann aber die Gruppe um alleine zu stehen.
Er überlegte kurz ob er sich zu seinen ‚Kumpels’ gesellen sollte, entschied sich dann aber doch anders.
„Hi! Hast du Feuer?“ Man ist der alt, dachte er bei sich und er hatte den Eindruck, dass sie genau das gleiche dachte.
„Klar.“ Er hielt seine Kippe in die Flamme und als er den Qualm auspustete, ließ sie es wieder in ihrer Tasche verschwinden.
„Ich hab gehört Ben, du und die anderen Beiden treten nächste Woche in der Aula auf. Nervös?“ fragte sie.
„Woher weißt du davon?“ Er war überrascht.
„Ben hat es mir erzählt.“
Ben? Waren die Beiden immer noch befreundet? Es hatte eine Weile das Gerücht gegeben, dass die Beiden zusammen waren und zu dieser Zeit war sie auch ein paar mal zu den Proben gewesen, aber geglaubt hatte er ihm nicht. Seid Ben mit Tara zusammen war, hatte er die Beiden nicht mehr miteinander reden sehen.
Kaya schaute ihn immer noch fragend an.
„Nervös? Na ja aufgeregt auf jeden Fall,“ meinte er lächelnd. „Ich frag mich wie wir bei den anderen ankommen....“
Sie erwiderte das Lächeln. „Also ich fand euch gut. Wenn die anderen das nicht so sehen, haben sie halt keinen Geschmack.“ Sie zwinkerte ihm zu.
Ryan freute sich über ihre Worte, denn sie hörten sich ehrlich an und er wusste, dass sie meist sagte, was sie auch dachte. Zumindest schien es so.
„Ohh....die Stunde fängt gleich an. Kommst du auch?“ Bei ihr wusste man das nie so genau.
„Jap.“ Zusammen gingen sie ins Schulgebäude, doch als er den Raum mit dem Klingelzeichen betrat, sah er Kaya nicht mehr hinter sich. Komisch...
„Ach Herr Williams doch schon da? Sie brauchen sich gar nicht zu setzen. Holen sie den Bücherklassensatz aus dem Vorbereitungsraum.“
Er verließ wieder den Raum und schüttelte entnervt den Kopf über diese Lehrerin.
Überrascht blieb er stehen. Mist, musste er jetzt wirklich an den beiden vor ihm vorbei. Als er an ihnen vorbei kam, traute er kaum seinen Augen. Keil, der Typ den er am wenigsten ausstehen konnte, stütze sich mit der Hand neben Kayas Kopf an der Wand ab. Mit seiner Hand auf ihrem Arsch zog er sie dicht zu sich und küsste ihren Hals. Mit einem uninteressierten Blick schaute sie gerade aus und schien ihn nicht einmal zu bemerken, obwohl er direkt durch ihr Blickfeld ging. Was war das schon wieder, fragte sich Ryan. Verpasste sie für diesen Arsch den Unterricht? Nicht das es da wirklich viel zu verpassen gab, aber dieser Typ, dieser Röckchenjäger? Der behandelte doch die Frauen wie Dreck.......und hatte ihm mal die Freundin ausgespannt. Nachdem er sie ins Bett bekommen hatte, hatte er sie wieder abserviert. Mit 20 Büchern auf dem Arm machte Ryan sich wieder auf dem Rückweg. Da standen sie immer noch und Keil schien immer weiter gehen zu wollen und er sah eine spur von Unbehagen in ihren Augen.
„Hey Kaya, kannst du mir ma die Tür aufhalten, oder bist du beschäftigt?“ So hatte sie wenigstens die Wahl.
„Man, siehst du nicht, dass sie grad nich kann?“ blaffte Keil.
„Warte, ich helf dir.“ Sie befreite sich gelassen von dem Typen und folgte ihm. Als sie ihm die Tür öffnete schenkte sie ihm kurz ein Lächeln, setzte sich dann auf ihren Platz.
Im Gegensatz zur Lehrerin, die schon gar nichts mehr zu ihrem zu spät kommen sagte, ließ sich das die Tussi-Clique nicht nehmen.
„Na, wieder für 50 Euro einen Blowjob auf der Toilette erledigt?“ lachte Christie und ‚ihre Mädels’ stimmten mit ein.
„Ja, bei deinem Freund. Er meinte dass bei dir alles unecht ist und er deswegen sonst keinen hoch bekommt,“ erwiderte Kaya und jetzt lachte wirklich der Großteil der Klasse.
Ryan konnte sich über dieses Mädchen nur wundern.
Nach der Stunde hatten sie endlich Schluss. Er konnte es kaum erwarten sich mit den anderen Jungs im Proberaum zu treffen und eilte aus dem Raum, nachdem er seinen Kram in den Rucksack gestopft hatte.
Kaya ließ sich länger Zeit. Sie hatte keinen Grund sich zu beeilen und hing lieber ihren Gedanken nach. Auf einmal hatte sie wieder eine Idee für ein Gedicht, dass sie zu Hause sofort aufschreiben musste. Zu Hause? Eigentlich war das Wetter gar nicht so schlecht und sie hatte keine Lust in diese schäbige Wohnung zu gehen. Sie konnte doch zum Strand gehen. Es war ein schöner Weg und als sie ankam, genoss sie den Wind, der ihr ins Gesicht pustete. Rasch zog sie die Schuhe aus und ließ sich dann einfach rückwärts fallen. Es war so schön.
Ihr Gedicht! Sie zog Stift und Block aus dem Rucksack und schrieb:
Nur eine Träne
Schmerz
Leid
Trauer
Verzweiflung
Keine Gedanken um sie zu erfassen
Keine Worte um sie auszudrücken
Keine Farbe um sie zu zeigen
Keine Linie um sie darzustellen
Das Zeichen
Nur eine Träne
im lächelnden Gesicht
Bis zum Abend beobachtete sie den Himmel, die Wellen und zog sich dann wieder richtig an. In ruhigem Schritte machte sie sich auf dem Weg zur Arbeit. Irgend wovon musste sie sich ja ihre CD’s und Klamotten kaufen. Ihrem Vater war das Geld für solche Dinge zu schade.
Heute war Freitag also war bestimmt wieder viel los in der Kneipe. Als sie dort angekommen war und sich umgezogen hatte, sah sie sich bestätigt. Nicht nur das es wieder einmal voll war, nein, Ben und die anderen waren auch da. Sie schaute an sich herunter. Dieser kurze schwarze Rock, der so untypisch für sie war, wo sie nur lange, weite Hosen trug und das Top mit einem ausreichenden Ausschnitt. Gott, Ben wird denken die echte Kaya wär von Aliens entführt worden. Was sollte es?
Sie ging zu ihrem Tisch. „Hi, ihr? Was darf es sein?“ Sie sah wie alle 4 ihr Outfit sprachlos musterten.
„Bist du das wirklich Kaya?“ fragte Christian immer noch überrascht.
„Scheint wohl so,“ antwortete sie mit einem einfachen Lächeln. „Darf’ s denn auch etwas sein oder hat euch das Outfit den Appetit verdorben?“ Sie schmunzelte.
„Ähm.....Ich nehm einen O-Saft. Tom, du auch?“ wandte sich Christian an diesen. Dieser nickte.
Ryan bestellte eine Apfelschorle.
Kaya schrieb fleißig mit und wartete nur noch auf Ben. Als er nichts sagte, schaute sie von ihrem Block hoch und direkt in seine Augen. Sie versuchte seinen Blick zu deuten, konnte es aber nicht und schaute schnell wieder auf ihren Block.
„Ben? Hey, Ben! Noch da?” Ryan fuchtelte vor Bens Augen herum. Verwundert schaute dieser auf.
„Deine Bestellung.......“ lachte Ryan und auch die anderen grinsten.
„Einen O-Saft, bitte.“
„Okay. Bin gleich mit den Getränken zurück.“
Gott, so hatte er Kaya noch nie gesehen. Nicht einmal als sie zusammen waren. Er hatte einfach nicht seinen Blick von dem Outfit wenden können, ob das den anderen aufgefallen war? Das er sie so angestarrt hatte? Kaya hatte schon immer eine gute Figur gehabt, aber sie immer in ihren weiten Klamotten versteckt. Irgendwie wirkte sie sogar noch schlanker, wenn er darüber nachdachte.
„Ben! Nimm mal den Arm beiseite, die Getränke sind da.“ Er blickte auf.
Da stand Kaya in diesen hammer Sachen vor ihm und wartete, dass sie die Gläser auf den Tisch stellen konnte.
Zum Glück liebte er Tara wirklich ansonsten hätte er vielleicht ein weiteres Mal sein Herz an sie verloren.......
„Auf unseren Auftritt!“ prostete Ryan den anderen zu und auch Ben brauchte diesmal keine Extra-Aufforderung. Was war ihm nur durch den Kopf gegangen, fragte sich Ryan. Aber seine Gedanken wurden von einem viel dringenderem Bedürfnis verdrängt. Ryan sprang vom Stuhl auf und mit einem „Bin ma kurz auf Klo“ verschwand er. Als er aus dem Herren Klo kam, seufzte er erleichtert.
„Für so was sind Sie im falschen Lokal.“ Hörte er Kayas Stimme. Er schaute flüchtig um die Ecke. Tatsächlich stand sie da und ein Typ hielt sie an ihrem Handgelenk fest. „Ach sss geht och ssschnell.“
Man konnte richtig sehen, wie der Typ fester zu packte. Ihm tat der Typ jetzt schon leid. So ein Tritt in die Weichteile tat weh.
Aber sie wehrte sich nicht, bekam statt dessen wieder diesen Blick, den sie heute schon einmal gehabt hatte. Was zum Teufel tat sie da? Warum versuchte sie sich nicht einmal zu wehren?
Ryan überlegte ernsthaft ob er nun da zwischen gehen sollte oder nicht. Was sollte es?
„Hey, lass sie in Ruhe, sonst ruf ich die Bullen!“ Der Typ ließ Kaya los. „Nisch ma seinen Schpaß kann man shaben.“ Mit diesen Worten kehrte er wieder zurück in den Hauptteil der Kneipe.
„Warum, hast du dich denn nicht gewehrt?!“ fuhr Ryan sie an. Okay vielleicht war das heftig gewesen, aber er verstand es einfach nicht.
Sie zuckte mit den Schultern und ging ebenfalls zurück in den vorderen Teil.
Sprachlos schaute er ihr nach. Gerade als er zu den anderen zurückkehren wollte, sah er einen Zettel auf dem Boden. Anscheinend aus einem Block gerissen. Ein Gedicht von Kaya? Rasch steckte er ihn ein und eilte zu den anderen.
„Man was hast du denn solange gemacht? Warst du zu klein um am Pinkelbecken an zu kommen und musstest im Sitzen......?“ fragte Ben lachend. (Jaja der kleine! Ryan........ *lach* könnt ich mir ja echt fast vorstellen, dass er da Probleme kriegt *g*)
Ryan schnitt ihm eine Grimasse und setzte sich. Er wollte ihnen nichts von dem Vorfall erzählen obwohl er wirklich wissen wollte was das gewesen war.
Während sie in Ruhe tranken, fiel ihm auf, dass Ben immer wieder zu Kaya schaute. Oder bildete er sich das nur ein?
Manche Gäste waren auch so dreist ihr auf den Arsch zu klatschen oder versuchten sie zu ihrem Tisch zu ziehen, aber sie wehrte immer mit dem Argument, dass sie arbeiten müsse, ab.
Wäre er nicht sicher, dass Ben Tara wirklich liebt, würde Christian sich jetzt Sorgen machen. Es fiel ziemlich auf wie Ben ihr hinterher schaute. Wenn er so weiter machte, würden es auch die anderen merken.
Aber außer ihm und Tara wusste niemand was zwischen den Beiden gelaufen war, auch nicht Ryan oder Tom. Nicht weil Ben die Beziehung peinlich gewesen wäre, nein aber Kaya hatte sie geheim halten wollen. Warum? Das wusste nur sie.
Lange hatte die Beziehung trotzdem nicht gehalten. Nach einem Monat hatte sie ihm das Herz raus gerissen und in Taras Obhut gesandt. Damals war Tara noch eine sehr gute Freundin von ihr, aber sie gab Kaya immer noch die Schuld daran, dass es ihm so schlecht gegangen war. Sie hatte sich sogar einmal zu der Bemerkung hinreißen lassen, dass sie ihn geschlagen hätte. Aber das konnte sich Christian nicht wirklich vorstellen.
Da er Kaya vor allem von den Erzählungen von Ben und Tara kannte, fiel es ihm schwer auf sie böse zu sein, weil sie mit seinem Kumpel Schluss gemacht hatte. Sicher war nur, dass sie nicht gut für Ben sein konnte.
Einige Zeit später verließen sie das Lokal und machten sich auf den Heimweg. Ryan musste als erstes sich von den anderen trennen. „Heippa. Man sieht sich morgen.“
Kaum war er um die Ecke gebogen, suchte er schon wieder nach seinen Zigaretten. Er fischte sie aus seinen Taschen und dabei fiel ein Zettel mit heraus.
Hey, war das nicht der von Kaya? Mist! Sollte er das Gedicht jetzt gleich zurückbringen oder ihr morgen in der Schule geben? Ähm, Montag. Ach so richtig Lust auf zu Hause hatte er eh noch nicht.
Wenig später war er wieder in dem Lokal und suchte sie. Hmm, wo war sie nur? Er wollte gerade eine andere Kellnerin fragen, ob Kaya schon losgegangen war als er sie aus einem der hinteren Räume kommen sah.
Sie hatte wieder ihre normalen Sachen an, stellte er fest.
Anscheinend hatte sie ihn gesehen, denn sie kam auf ihn zu.
„Hey, Ryan, was machst du denn noch hier? Bist du nicht auch mit den anderen losgegangen?“ Sie strich sich durch die Haare um sie wieder nach dem Umziehen etwas ordentlich hinzulegen.
„Du hast was verloren.“ Er kramte den Zettel hervor.
„So? Was?“ Sie nahm den Zettel, schaute flüchtig drauf und ließ ihn in ihrer Hosentasche verschwinden.
„Ich danke dir vielmals.“ Sie schenkte ihm eins ihrer Lächeln.
Es schien ihr nicht peinlich zu sein, dass er das Gedicht gelesen hatte und das gefiel ihm. Wenn man nicht zu solchen Dingen stand, sollte man sie lieber lassen.
„Du gehst doch jetzt nach Hause, oder? Hast du da keine Angst?“ fragte Ryan.
„Eigentlich nicht. Aber wir haben ein Stück gemeinsamen Weg, wenn du willst können wir den zusammen gehen. Darauf wolltest du doch hinaus, oder?“ Sie zwinkerte ihm zu und verließ das Lokal, sodass er ihr folgen musste.
„Möchtest du eine Kippe?“ fragend schaute sie ihn an. Warum nicht?
„Ja, danke.“ Hmm, irgendwie störte ihn das Schweigen auf dem restlichen Weg, aber nun war es egal.
„So, ich wohn in dieser Straße. Musst du noch weit gehen?“
„Nein, es ist nicht mehr so weit. Vielleicht 10 Minuten....“
Oder auch ne halbe Stunde, dachte sie sich. Sie wollte auf keinen Fall, dass er sie nach Hause brachte. Das Viertel sah echt scheiße aus und ihre Wohnung nahm sich da auch nicht viel und das ging ihn nichts an. Keinen der Leute, die sie kannte.
„Na das geht ja noch. Schönes Wochenende.“ Sie winkte ihm zurück und machte sich dann auf den Heimweg.
Ob die Jungs jetzt öfter in dem Lokal vorbeikommen würden? Ryan würde sie es zu traun etwas in der Art zu tun. Überhaupt war das ein komischer Vogel. Das war ihr schon damals aufgefallen. Auch in der Schule merkte man das immer wieder. Wenigstens war er okay.
Kaya schloss die Haustür auf, schlich in den dritten Stock und öffnete die Wohnungstür. Hoffentlich schlief ihr Dad schon.......
In der nächsten Woche war endlich der Auftritt in der Aula.
Sie hatten das ganze Wochenende über geprobt um es ihren Mitschülern zu zeigen. Beim ersten Lied hatten die meisten noch skeptisch geguckt und teilweise gelacht, aber nach und nach hatten sie immer mehr mitgemacht. Jetzt standen nur noch wenige mit verdrehten Augen da und lästerten wahrscheinlich über sie.
Aber das war egal. Sie hatten es geschafft. Zeit für den letzten Song. Mit einem breiten und freudigen Lächeln kündigte Ryan das letzte Lied an. „Everyday!“
Vollkommen glücklich verließen danach die 4 Jungs die Bühne.
Hey da hinten sah Ryan, sogar Kaya stehen. Er ging zu ihr.
„Ihr ward klasse.“ Begrüßte sie ihn.
„Danke.“ Er strahlte immer noch vor Glück. Das war der Anfang. Von jetzt an würden sie vielleicht öfter in der Schule auftreten oder vielleicht auch mal die Möglichkeit haben in einer Kneipe.
„Ich hab eine Idee......Ich mein, ihr wollt ja nicht nur ewig in der Schule spielen sondern auch vorankommen, oder?“
Ohhh.......was kam den jetzt? Mehr als ein verdutztes Ja brachte er nicht raus.
„Ich habe mir überlegt, dass ich versuchen könnte, den Wirt des Lokals, in dem ich arbeite, zu fragen ob ihr dort spielen könnt. Dort treten öfter einmal Bands auf. Aber.....ich glaube nicht, das ihr auch bezahlt werdet. Also wenn ihr darauf verzichten könntet, ließe sich vielleicht..........“
Mit offenem Mund lauschte er ihren Worten. Meinte sie das Ernst?
Bevor Kaya aussprechen konnte, drückte er sie an sich und ihre Füße hingen 3 cm über dem Boden. Überrascht schnappte sie nach Luft.
Was war das denn für eine Reaktion. Na gut irgendwie konnte sie ihn schon verstehen, aber war er nie selbst auf die Idee gekommen?
„Ryan, so langsam kannst du mich aber trotzdem runter lassen. Die gucken schon alle komisch.“ Lachend setzte er sie ab und sie konnte nicht anders als mit ein zu stimmen.
„Tut mir leid, aber ich war............so glücklich, weil.......“
„Schon klar, aber freu dich noch nicht zu früh, wer weiß ob das wirklich klappt.“ Eigentlich war sie sich ja sicher, dass sie ihren Chef überredet bekommen würde........
Ryan nickte nur und konnte nicht aufhören zu grinsen. Eine Entschuldigung murmelnd, winkte er noch kurz und rannte zu den anderen, die Botschaft schon fast auf dem halben Weg herausposaunend.
Der Typ war echt ein lustiger Vogel. Belustigt schüttelte sie den Kopf und verließ die Aula.
„Die Aula wurde gerockt
Vor zwei Tagen bewegten sich alle Schüler in die Aula. Einige mit einem belustigten Schmunzeln im Gesicht andere schon vorher gelangweilt. Was sollten schon ihre vier Mitschüler Ryan, Ben, Christian und Tom tolles spielen? So richtig was zutrauen schien ihnen keiner etwas. Eher hoffte man auf ein paar Lachchancen und Abwechslung vom Unterricht. Doch es wurden alle überrascht. Statt sich zu langweilen, dröhnte als erstes der bekannte Titel Ghostbusters aus den Verstärkern. Während einige vielleicht noch belustigt drein schauten, war bereits die erste Hälfte begeistert. Doch spätestens bei den selbstgeschriebenen Songs machten alle mit und hatten sichtlich Spaß. Wer in die Gesichter unserer Schulband geschaut hat, dem ist aufgefallen, dass auch die Jungs immer mehr strahlten. Also ein gelungener erster Auftritt und es ist noch einiges zu erwarten von den Vieren.
Grüße eure Tilaw“
Ließ Ryan den anderen Dreien aus der Schülerzeitung vor und strahlte.
„Mensch das hört sich doch gut an, oder was meint ihr?“
„Ja, aber darauf können wir uns nicht ausruhen. Wir müssen weiter daran arbeiten,“ antwortete Christian ernst, aber ein zufriedenes Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus.
„Hey, da seid ihr ja. Ich muss mit euch sprechen,“ rief Kaya von weitem. Sie drehten sich zu ihr um und sie schlenderte gemütlich zu ihnen.
„Hast du schon den Beitrag in der Schülerzeitung gelesen?“ fragte Ryan stolz.
„Jup!“ fertigte sie das Thema ab und tat als wäre da nichts besonderes dran, was Ryan doch etwas wunderte oder enttäuschte.
„Ich wollt nur wissen, wann ihr denn so weit wäret in der Kneipe zu spielen.“ Sie blickte fragend in die Runde.
„Sofort!“ rief Ryan aus und wurde sich erst dann seines Übermutes bewusst und lachte verlegen.
„Gut, denn ihr sollt übermorgen spielen. Ihr bekommt dafür kein Geld, weil ihr noch nicht gezeigt habt, ob ihr eine gute Wirkung auf die Gäste habt, aber das kann ja noch werden.“
Ryan schaute zu den anderen. Sie sahen genauso überrascht aus, wie er sicher auch.
„Ist das dein Ernst? Das ist ja.....super!“
„Genial,“ entfuhr es Tom.
„Echt stark,“ meinten auch Ben und Christian.
Kaya grinste.
Das Vorklingeln ertönte.
„Mist, wir müssen in unsere Räume. Wir sehn uns heute bei der Bandprobe.“ Ryan schaute zu Kaya, die als einzige von ihnen auch in seiner Klasse war. Sie folgte ihm eilig.
Er konnte es kaum glauben, dass sie wirklich auftreten würden.
„Danke, Kaya. Das ist mehr als nur nett von dir.“ Da sie mittlerweile schon auf einer Höhe waren, stützte er sich auf ihren Schultern ab, hüpfte in die Luft und lachte.
Auch Kaya lachte.
Mit dem Stundenklingeln betraten sie die Klasse.
Als Ryan sich setzte, fragten ihn die Tussie-Mädels: „Gibst du dich jetzt schon mit so was ab? Das hast du doch gar nicht nötig.“
Ihr überheblicher Tonfall nervte ihn.
„Solltet ihr euch nicht auf den Unterricht konzentrieren. Bei euren kleinen Gehirnen bleibt sonst nichts hängen.“ Antwortete er gelassen und der Rest der Klasse grinste.
Ryan verließ am Unterrichtsende als letzter den Raum. Als er den Flur lang kam, bot sich ihm ein bekanntes Bild. Keil hielt Kaya fest umschlungen und küsste sie wild. Er sah wie sie kurz versuchte ihn weg zu drücken und ein Funken Gegenwehr in ihren Augen, aber dieser erlosch fast zur gleichen Zeit wie ihre Bemühungen. Keil packte ihre Hände und drückte sie an die Wand.
„Warum gibst du nicht endlich nach. Bis jetzt hab ich jede dazu gebracht, dass sie mich will. Du bist die einzige die mir wiederstehen kann. Noch.“
„Weil die anderen dumm sind. Sie lassen sich von Idioten wie dir hinters Licht führen, dabei steht dir doch das Wort „Arschloch“ auf die Stirn geschrieben,“ antwortete sie mit einem überlegenen Lächeln.
Keil lachte und packte noch härter zu.
Vielleicht sollte er jetzt eingreifen, er sah niemand anderen auf dem Flur. Wenn sie ihn nicht wollte, warum wehrte sie sich dann nur halbherzig? Er verstand das einfach nicht, würde es wohl nie verstehen.
„Hey, lass sie ab jetzt in Ruhe ist das klar! Oder willst du Ärger mit mir und den Jungs?“
„Du hast mir gar nichts zu sagen, Kleiner.“ Entgegnete Keil, drehte sich kurz überrascht zu Ryan und fügte, während seine Hand über Kayas Hals wanderte, hinzu. „Wir sehn uns Kaya“ Dann stolzierte er selbstsicher davon.
Sie schaute zu Ryan und er sah ihren verständnislosen Blick.
„Warum wehrst du dich nicht? Oder willst du doch etwas von dem Typen.“
„Nein, ich meinte schon ernst was ich gesagt habe von wegen Arschloch und so.“
„Ja, also warum?“ Er schaute ihr in die Augen, aber sie sah ihn nur abweisend an, nicht bereit ihm etwas preis zu geben.
Beide schwiegen.
„Na gut, ich muss noch vor der Arbeit nach Hause. Wir sehen uns morgen. Und vergesst nicht ordentlich zu üben für euren Auftritt.“ Sie winkte kurz und eilte dann davon.
Er schaute ihr etwas verwundert hinterher. Sie hatte recht, er sollte sich lieber zur Bandprobe bewegen anstatt sich einen Kopf um ihr komisches Verhalten zu machen.
Sie hatten geübt. Viele Stunden in so kurzer Zeit und nun standen sie in der Kneipe und warteten auf das Startsignal. Ryan sah zu den anderen Dreien. Auch sie wirkten nervöser. Er sah sich die Gäste an. Sie wirkten noch nicht sonderlich interessiert, was die Vorgänge auf der kleinen Bühne betraf.
Dann kam das Zeichen, das sie spielen durften.
Danach, ließ Ryan alles Revue passieren. Am Anfang waren sie alle noch etwas nervös gewesen und hatten sich ein paar Fehler geleistet. Aber dann waren sie immer besser geworden. Auch den Leuten schien es gefallen zu haben.
Die 4 Jungs grinsten sich zu.
„Hey, das sollten wir feiern,“ meinte Ben.
„Mensch, du willst doch immer alles feiern,“ entgegnete Tom grinsend.
„Na, und?“
„Hey, das trifft sich echt gut. Ich hab dieses Wochenende sturmfrei. Wir können bei mir Party machen. Wir laden noch ein paar Leute ein und dann.......“ mischte sich auch Ryan ein.
„Okay, dann geht das klar.“
„Ich muss los, ich treff mich jetzt noch mit Tara.“
„Ich muss auch los,“ fügte Tom hinzu und auch Christian musste los.
So gingen sie. Ryan wollte noch ne Kleinigkeit trinken und setzte sich an einen der Tische.
„Gut gespielt,“ riss ihn eine Stimme aus seinen Gedanken. Da stand Kaya wieder in diesem kurzen Rock vor ihm.
„Danke.“ Er merkte selbst wie sehr er strahlte. Das war nicht nur erst ihr zweiter, sondern auch ein richtig guter Auftritt gewesen.
„Möchtest du noch etwas trinken oder essen?“
„Eine Cola, bitte.“
“Übrigens hab ich mit dem Chef gesprochen. Beim nächsten mal wird er euch auf der Angebotstafel vorher ankündigen und wenn dann ein gesteigerter Umsatz bei rauskommt, kriegt ihr ab dann Geld. Außerdem denke ich, dass man bestimmt auch in anderen Kneipen Möglichkeiten bekommt.“ Mit diesen Worten verschwand sie seine Cola holen.
Gott, was stellte sie ihnen da in Aussicht? Das war mehr als genial. Er konnte es kaum fassen.
„So, bitte.“
„Sag mal Kaya, am Samstag ist Party bei mir. Willst du nicht vorbeikommen. Ich mein du hast uns so sehr geholfen, das geht eigentlich nicht.“
Sie schaute etwas überrascht. „Hmm, warum nicht.“
Ryan bezahlte und nach einem Tschüß verließ er das Lokal.
Am Samstag
Kaya schaute sich das Haus an. Nicht schlecht. Ihrem alten gar nicht mal so unähnlich. Als sie noch neben Ben gewohnt hatte. Aber das war vorbei.
Sie trat ein. Es waren bereits einige Leute da. Manche von ihnen kannte sie von der Schule und begrüßten sie. Im Wohnzimmer entdeckte sie Ben und Tara. Sie saß auf seinem Schoß. Die Beiden wirkten sehr glücklich miteinander. Am besten ging sie nach unten, wo dem Krach nach zu urteilen der größte Teil der Gäste sich aufhielt. Sie störte die Beiden sonst nur.
„Hey, Kaya.“ Zu spät. Sie drehte sich wieder um und sah wie Tara von Ben rutschen musste, damit dieser aufstehn konnte.
„Hi, Ben.“
Sie begrüßten sich mit einer flüchtigen Umarmung. Das taten sie oft, wenn sie nicht gerade in der Schule waren, aber vor Tara war ihr das unangenehm. Sie sah deren vorwurfsvollen, säuerlichen Blick. Ben nicht.
„Schön das du auch hier bist. Hat Ryan dich eingeladen?“
Sie schmunzelte über seine leicht aufgekratzte und fast immer gutgelaunte Art, die sie so gern an ihm mochte.
„Ja, hat er. Ich bin grad erst gekommen. Ich werde mich erst einmal umschauen, wen ich alles noch so kenne,“ sagte sie und leiser mit einem Zwinkern fügte sie hinzu: „Und euch Zwei noch etwas alleine lassen.“
Ben knuffte ihr kurz in die Seite und ging dann lachend zu Tara. Als sie den Raum verließ spürte sie immer noch ihre Blicke im Rücken.
Ryan machte sich gerade eine weitere Bierflasche auf, als er Kaya die Treppe in den Keller runterkommen sah.
„Hey,“ grüßte er und stellte fest, dass er den Alkohol bereits etwas merkte.
„Hey.“
„Möchtest du auch ein Bier?“
„Ja, gerne.“
Er reichte ihr sein gerade geöffnetes Bier und holte sich ein neues um es mit dem Feuerzeug zu öffnen.
„Darf man hier drinn rauchen oder sollte ich lieber rausgehen?“
„Rausgehen, gibt sonst Streß mit meinen Eltern und das muss ich nicht haben. Aber warte kurz, dann komm ich mit.“ Er schnappte sich seine Kippen vom Tisch und sie gingen zusammen raus. Unterwegs begrüßten sie noch ein paar Neuankömmlinge und er kommandierte Tom dazu ab auf zu passen, dass nichts aus den Rudern lief.
Sie setzten sich auf eine Art Gartencouch auf der Terrasse.
„Auf.......“ er überlegte worauf sie anstoßen könnten.
„Auf eure Band und ne lustige Party,“ schlug sie hilfreich vor.
„Genau.“ Sie stießen mit ihren Bierflschen an und zündeten sich Zigaretten an.
Irgendwie war das richtig angenehm hier so neben Kaya zu sitzen. Sie wirkte nicht wie einer der Menschen, der ständig an anderen heumnörgelte sondern sie so nahm wie sie waren. Das wusste er sehr zu schätzen, denn es gab genug, die jeden Fehler an anderen bemängeln mussten.
„Sag mal was hörst du eigentlich überhaupt für Musik?“
„Hmm.....ich weiß nicht, ob du die kennst. Three Doors Down oder auch 4lyn, wobei die ne deutsche Band mit englischen Texten sind. N Kumpel aus Deutschland hat mir mal eine CD von denen geschenkt. Ist ganz gut. Ansonsten Rock und so was. Ich gehe davon aus, dass das bei dir ähnlich ist?“
„Naja, die beiden kenn ich nicht. Aber Red Hot Chili Peppers und sowas. Also auch Rock, hast recht.“
„Sag mal, willst du eigentlich Musiker von Beruf werden oder soll das nur ein Hobby bleiben?“
„Nee, also ich möchte das schon von Beruf. Das ist mein Traum. Irgendwann richtige Konzerte geben und CD’s rausbringen.“ Er schaute zu ihr. Das war der Moment wo die meisten ihn komisch anguckten und für verrückt erklärten, weil sie es für einen unerreichbaren Traum hielten.
Sie hingegen sah ihn mit einem Lächeln an und schien sich zu freuen. Hatte sie es ihm angesehen?
Denn sie antwortete auf seine gedachte Frage: „Ich finds toll, wenn man solche Träume hat. Es sind nicht diese typischen von den Eltern eingetrichterten, sondern persönliche. Und so unerreichbar wie andere denken sind sie auch nicht. Andere haben es ja immer hin auch geschafft. Also lass die reden und nicht von ihnen fertig machen.“ Sie zwinkerte ihm kurz zu.
„So wollen wir wieder rein?“ Mit diesen Worten stand sie auf und ging rein.
Ryan folgte gemütlich ins Haus und sah, wie sie sich zu ein paar Leuten stellte. Es schien als wär es eine lustige Runde. Er beobachtete die kurz und ging dann zu Christian und Ben.
Als er einige Zeit später vom Klo kam, eilte Tara auf ihn zu.
Was die wohl wollte?
„Ryan, kann ich kurz mit dir reden?“ Ein Fragezeichen in seinem Kopf.
„Klar, was gibt’s?“
„Es ist wegen...wegen Kaya.“ Ihr schien das Thema auch etwas unangenehm zu sein, aber ebenso auch sehr wichtig.
„Was ist mit ihr.“
„Ich hab gesehn, dass ihr zusammen draußen ward....“
HM? Was war denn dabei?
„Schau nich so! Ich mein es ernst. Es ist nicht gut. Sie ist nicht gut für dich.“
„Was meinst du damit?“ Er runzelte die Stirn und fragte sich, was sie ihm damit sagen wollte.
„Tu doch nicht so. Ich hab gesehn wie du sie immer wieder anschaust. Lass es. Halt dich von ihr fern.“
Er schaute verdutzt. Er schaute ihr immer zu hinter her? Sie glaubte doch nicht....
„Du denkst doch nicht, dass ich auf sie stehe oder?“
Sie sah ihn nur skeptisch an. „Ja, dass denke ich. Du müsstest dich nur mal sehen.“
Hmpf...
„Und warum sollte ich mich dann von ihr fern halten?“
Es kam eine kleine Gruppe von Leuten. Sie winkten ihnen zu und stellten sich noch etwas weiter abseits hin.
„Weißt du, dass Ben und Kaya einmal zusammen waren?“
Er schüttelte den Kopf. Also waren sie doch einmal zusammen gewesen. Irgendwie machte ihn das traurig, störte ihn.
„Also nicht. Dann weißt du auch nicht, wie sie Schluß gemacht haben?“
Erneutes Kopfschütteln.
„Sie hat ihn geschlagen. Er wollte es nicht recht zu geben, aber ich hab sie gesehen. Blaue Flecken. Und er hat ihr auch noch vergeben!!“ Tara war lauter und aufgebrachter geworden.
„Stell dir das vor......er hat einfach so getan als wäre da nichts gewesen und was machst sie? Sie macht kurze Zeit später mit ihm Schluß und zerbricht ihn! Dabei hatte nur er einen Grund gehabt mit ihr Schluß zu machen.“
Tara holte tief Luft um sich wieder zu beruhigen.
„Ich wollte nur, dass du das weißt bevor du einen Fehler begehst. Sie macht die Menschen nur kaputt.“
Mit diesen Worten ging sie und ließ einen nachdenklichen Ryan zurück.
Ryan brauchte erst einmal eine Zigarette. Er schnappte sich seine noch nicht leere Bierflasche, ging nach draußen und setzte sich.
Er beobachtete den Qualm, der langsam in den Himmel stieg. Kaya hatte Ben geschlagen? Er konnte es sich nicht vorstellen. Warum sollte sie so etwas überhaupt tun? Und sicher würde er sich so etwas nicht gefallen lassen. Am liebsten würde er Ben fragen, was da genau vorgefallen ist, aber wie? Das würde nur ärger geben und wozu das? Tara hatte doch nicht recht, oder? Nein, hatte sie nicht. Er fand Kaya interessant, vielleicht mochte er sie auch, aber er stand nicht auf sie.
Wie auch immer, er wollte jetzt eigentlich feiern! Mit dem Gedanken kehrte er zurück in den Keller.
Ben und Tom fingen ihn schon an der Treppe ab und hielten ihm ein Glas Vodka hin.
„Kippis!“ Sie stießen an und tranken das Glas auf Ex.
In den nächsten Stunden wiederholte sich das Spiel noch ein paar mal. Sie amüsierten sich klasse.
Irgendwann stieß auch wieder Tara zu ihnen, die mit ein paar Freundinnen sich unterhalten hatte.
„Na ihr.“
„Hey, Sschatsch.“ Ben legte seinen Arm um ihre Schulter.
„Hast du schon wieder zu viel getrunken?“ fragte sie leicht vorwursvoll.
„Ryan, ich hab dir doch gesagt, dass du etwas auf ihn aufpassen solltest. Immer wenn ihr zwei feiert, ist er total besoffen.“
„Schtimmt dock gar nisch.Sollsch dir beweischen?“ fragte Ben herausfordernd mit einem Grinsen.
„Na?“
„Solange man seinen Hintern noch findet, ist man nicht besoffen.“ Er legte seine Arme um sie und legte die Hände auf ihrem Hintern ab.
„Dir ist aber schon klar, dass das nicht dein Hintern sondern meiner ist?“ fragte sie lachend.
„Und von wem stammt überhaupt dieser Spruch?“
„Ryan......“
„War ja wieder klar.“ Sie sah Ryan mit Kopfschütteln und Lächeln an.
Er zuckte grinsend mit den Schultern.
„Ich geh ma aufsch Klo.“ Leicht schwankend entfernte er sich von den anderen.
Man o man, er hatte wohl doch mehr intus als er dachte. Vorsichtig ging er die Stufe hoch.
Mist jetzt war die Toilette auch noch besetzt, dabei musste er doch so dringend. Unruhig ging er vor der Tür auf und ab, bis sie endlich aufging und Kaya rauskam.
Sie besah ihn von oben bis unten und fing an zu lachen.
„Da muss einer aber ganz dringend. Ich glaub ich geh noch mal rein......“ Sie machte anstalten wieder ins Badezimmer zu gehen, ließ ihn aber dann doch.
Gütigerweise.....
Als er wieder rauskam, stand sie bereits bei einer Gruppe von Leuten, die sie zum Lachen brachte.
Bevor er wieder hinunter in den Keller gehen konnte, kamen Ben, Christian, Tom und Tara ihm entgegen.
„Wir wollen los. Ist schon spät. Die meisten anderen sind auch schon beim Gehen. Wir sehn uns Montag bei der Probe.“
„Yo“
Mit diesen Worten gingen sie und kurze Zeit später war das Haus fast leer.
Wie spät war es überhaupt? Schon 5 Uhr morgens?!
Das bedeutete, dass in 4 Stunden seine Eltern wieder da sein würden. Es würde wohl nichts daraus werden, dass er noch erst seinen Rausch ausschlief. Er hätte vielleicht doch etwas weniger trinken sollen.....
Er ließ seinen Blick durch das Zimmer schweifen.....wenn dieses schon so toll aussah, wie sah dann der Keller aus.
Als erstes die letzten Gäste rausschmeißen.
Die meisten schwankten raus, einige musste er vorher sogar erst wecken.
„Soll ich dir helfen?“ fragte eine Stimme hinter ihm.
Er drehte sich um und stellte überrascht fest, dass Kaya immer noch da war.
„Gerne.....meine Eltern sind in 4 Stunden wieder da und hier siehts aus.....“
„....wie nach einer Party von der sie eigentlich lieber nichts wissen sollten.“
Sie half ihm die restlichen Gäste raus zu schaffen und dann begannen sie mit dem Aufräumen. Während er alles in Müllsäcke warf, was an Flaschen, Chips und sonstigem herumlag, saugte und wischte sie überall lang, wo er bereits fertig war.
Nach gut 3 Stunden hatten sie auch die hartnäckigsten Flecken weg bekommen und es blitzte überall.
„Ich glaub deine Eltern werden den Braten riechen, so ordentlich wie das hier jetzt ist.“
Er zuckte mit den Schultern. „Sie können nichts beweisen.“
Erschöpft ließen sie sich auf dem Sofa fallen.
„Und wie hat dir die Party eigentlich gefallen?“
„Ganz gut, aber die Krönung war als du leicht schwankend mit der Mülltüte die Treppe runter bist und alles wieder ausgeschüttet hast, als du das Gleichgewicht verloren hast.“ Sie lachte, ein sehr ansteckendes Lachen.
„Na danke....,“ lachte er mit.
„Soll ich uns einen Kaffee machen?“
„Öhm ja, warte ich helf dir, du weißt ja gar nicht wo hier was ist.“
Während sie Wasser in die Kaffeekanne füllte, holte er den Filter und das Kaffeepulver raus.
Er musste dabei über sie hinweggreifen und stand so nahe bei ihr... In dem Moment schauten sie sich in die Augen und er meinte eine Spannung in der Luft zu spüren. Er kam mit seinem Gesicht näher an ihres, doch sie rührte sich nicht einen Zentimeter.
Gleich würde er sie küssen, dachte er bei sich und versuchte sich selbst aufzuhalten, aber der Moment war zu.... Er konnte einfach nicht anders.
Doch kurz bevor sich ihre Lippen berührten, hörten sie beide: „Wir sind wieder zu Hause.....“
Wie von einer Tarantel gestochen brachte Ryan Abstand zwischen sich und Kaya.
„Hey, Ryan.....“ Die Mutter und der Vater betraten die Küche und blieben erstarrt stehen.
„Ryan...ihr... ich mein ihr habt doch nicht....und...“
„Guten Tag Frau und Herr Williams. Ryan hat mich zum Mittagessen eingeladen so als Dankeschön,“ meinte Kaya höflich und schüttelte ihre Hände.
„Als Dankeschön.....?“
„Ja, sie hat uns dabei geholfen einen Gig in einer Kneipe zu bekommen.“
Ryan sah wie sein Dad die Stirn runzelte und seine Mutter auch ganz ruhig wurde. Beide musterten Kaya noch einmal als hätte sie ein Verbrechen begannen und nicht als ob sie ihm geholfen hätte. Aber wahrscheinlich war das für sie ein Verbrechen.
„Möchten Sie einen Kaffee? Wir waren gerade dabei einen auf zu setzen,“ versuchte Kaya die angespannte Situation zu lösen.
„Gerne, die Fahrt war anstrengend. Wir laden das Auto aus.“
Mit diesen Worten verließen die Eltern die Küche. Während Kaya die Kaffeemaschine anmachte, holte Ryan Tassen hervor.
„Ist es schlimm, wenn du jetzt noch zum Mittag bleiben musst?“
„Ach iwo, solang es schmeckt.“ Sie lächelte ihn an und auch ihm gelang es wieder zu lächeln.
Deswegen hatte er also so komisch auf ihre Reaktion gewartet, nachdem er ihr seinen Traumberuf erzählt hatte.
Sie schickte noch einen bösen Blick Richtung Eingangstür. Wie konnten Eltern nur immer versuchen ihren Kindern in jungen Jahren der artig die Flügel zu stutzen. Gönnten sie ihnen nicht die Erfüllung ihrer Träume, nur weil sie ihre über Bord geworfen haben? Sie schüttelte den Kopf. Irgendwie tat ihr das Leid, dass seine Eltern so gegen die Musik waren.
Er war gut, talentiert und könnte es zu etwas bringen. Aber jeder wollte auch seine Eltern zufrieden stellen und das würde er so nicht können. Egal was er tun würde, würde er nicht komplett glücklich darüber sein. Entweder Bruch mit der Musik oder den Eltern. Es sei denn sie finden sich damit ab.
Sie schüttelte den Kopf und goss den Kaffee in die Tassen.
„Du, Ryan...“
„Hmm?“
Es schien ihn immer noch zu beschäftigen, so wie er drein schaute.
„Mach dir nichts draus. Vielleicht werden sie es irgendwann verstehen und akzeptieren. Sie wollen nur das Beste, nur wissen sie manchmal selbst nicht was das Beste ist, weil die meisten ihrer Träume bereits tot sind.“
Er schaute sie hoffnungsvoll an. Sie lächelte. Irgendwie war er.....
Das Mittagessen wurde in kompletten Schweigen eingenommen. Niemand sagte etwas. Und sowohl Ryan als auch Kaya fühlten sich unbehaglich.
Aus diesem Grund verabschiedete Kaya sich und wollte nach Hause gehen.
„Soll ich dich noch nach Hause begleiten?“ Er sah sie leicht flehend an.
„Hm ja.“
Als er die Tür zugezogen hatte, bedankte er sich.
„Hmm, du musst mich aber nicht nach Hause bringen.“
„Ist kein Problem. Möchtest du auch eine?“ Er hielt ihr eine Kippe hin.
„Danke.“ Sie zündeten ihr Zigaretten an.
„Ich meine das aber ernsthaft. Du brauchst mich nicht begleiten, ich find den Weg allein.“
„......warum? War doch nett gemeint.“
Sie seufzte. „Na dann komm halt mit.“
Warum stellte sie sich denn so an? Er verstand das nicht.
„Du kannst aber nicht mit rein. Sonst denkt mein Dad wir wären zusammen und davon lässt er sich nicht wieder abbringen. Eltern, halt.“ Sie grinste. „Man muss sie nicht verstehen.“
„Stimmt.“
Sie kamen in ein ziemlich heruntergekommenes Viertel. Wenn die Wohnungen innen so aussahen wie die Häuser außen, dann würde er da für nichts in der Welt leben wollen. Es sah aus wie ein Viertel, wo die ganzen Dealer und Prostituierten lebten.
„So, da sind wir. Hier in der Straße wohne ich.“ Ihre Stimme klang etwas anders. Fühlte sie sich unbehaglich?
Deswegen sollte er nicht mitkommen! Sie wollte nicht, dass jemand wusste, dass sie in so einem Viertel wohnte. Es war ihr unangenehm! Gott!
Kaya schaute nach unten. Er wusste auch gar nicht was er zu ihr sagen sollte.
„Wir sehen uns morgen. Bis dann.“ Ihr Lächeln wirkte echt und er fragte sich, wie sie das schon wieder hinkriegte.
„Bis morgen.“
Ryan drehte sich um und war im Gehen als er hörte wie jemand rief: „Du scheiß Muttermörderin, kommst du auch noch nach Hause?!“
Überrascht fuhr er herum und sah wie sich ein Mann aus einem der Fenster beugte.
Wen meinte der denn? Niemand schenkte dem Typen Aufmerksamkeit. Ryan sah zu Kaya, die gerade die Haustür aufschloss und ebenso keine Reaktion zeigte. Eine derartige Beschimpfung schien hier ja normal zu sein.
Am nächsten Tag saß Ryan im Klassenzimmer. Es klingelte und sein Blick wanderte noch einmal zum leeren Stuhl von Kaya.
Wo blieb sie denn? Gestern war sie doch noch gesund. Oder schwänzte sie nur wieder?
Ryan hörte gar nicht zu, was der Lehrer über Mathe erklärte. Immer tiefer versank er in Gedanken.
Da ging die Tür auf und Kaya ging lässig auf ihren Platz.
„Schön, dass sie sich doch noch entschlossen haben dem Unterricht bei zu wohnen.“
Ryan wartete auf ihren typischen, leicht herabsetzenden Blick, doch der blieb hinter einer Sonenbrille verborgen.
Nicht, dass sie ihr nicht stand, aber irgendwie war es ein ungewohnter Anblick.
Sie zog ihre Jacke aus, hängte sie über den Stuhl und fing an einen Block und Stift auszupacken.
Dabei fiel sein Blick auf blaue Flecken. Sie zogen sich über ihre beiden Arme und geschockt starrte er darauf.
Oh mein Gott, wo hatte sie die denn her? Das sah ja richtig schlimm aus.
Die ganze Stunde über wartete er nur darauf, dass sie zu Ende ging, damit er sie fragen konnte.
Als es endlich klingelte, sprang er auf und ging zu ihrem Tisch.
„Kommst du mit? Rauchen?“ Sie zog ihre Jacke über.
Er flitzte zu seinem Platz und zog sich auch etwas über. Zusammen gingen sie raus.
Wie sollte er sie am besten darauf ansprechen? Direkt?
Sie nahm die Sonnenbrille ab und er sah ihr blaues, leicht geschwollenes Auge.
Sie ahnte wohl, was er dachte, denn sie erklärte von alleine: „Die hat ich nur auf, weil das Licht im Raum in den Augen so brennt.“
„Und woher hast du die blauen Flecke und das Veilchen? Das sieht schlimm aus. Derjenige hat mehr als nur eins auf die Fresse verdient.“ Er merkte wie er lauter geworden war. Er war total sauer auf denjenigen der ihr das angetan hatte.
„Na los, sag schon.“
„Da kannst du eh nichts machen....“ Hörte er so etwas wie ein Bedauern aus ihrer Stimme?
„Komm schon.“ Diesmal sagte er das ruhiger, nicht mehr so fordernd.
„Ich war gestern noch arbeiten.....auf dem nach Hauseweg hat mich so ein Typ angemacht, wir hatten eine Kleine Auseinandersetzung, die ausgeartet ist....“
Ryan stand geschockt da. Er wusste nicht, was er erwartet hatte, aber ......Der Typ hatte doch nicht, er war ihr doch nicht .....?
„Er hat dich doch aber nicht..nicht....nicht....?“
„Nein.“ Sie lächelte. Er war sich nicht sicher warum. Amüsierte seine besorgte Frage sie?
„Du musst trotzdem damit zur Polizei!“
„Das kannst du vergessen. Du warst doch in meinem Viertel. Wenn die dich einmal mit der Polizei sehen, ohne dass sie dich verhaften, hast du richtig Ärger. Außerdem heilt sowas einfach wieder.“
Sie sah ihm in die Augen und es schien ihm als wüsste sie was in ihm vorging.
„Mach dir keine Sorgen.“
„Da fällt mir ein....ich wollt euch ja noch etwas erzählen!“ Sie grinste.
Macht ihr das gar nichts aus, dass man sie zusammen geschlagen hatte? Hatte sie denn gar keine Angst, dass es wieder passieren würde. Woher nahm sie diese gleichgültig in diesen Dingen?
„Man, nu schau mal bitte nicht so nachdenklich. Ich versuch dir gerade wunderbare Neuigkeiten mitzuteilen und was machst du? Ich kann sie auch zuerst Ben erzählen....“
Er war über ihre Reaktion überrascht und schaute sie jetzt konzentrierter an und stellte fest, dass sie zu frieden grinste.
Amüsiert schüttelte er den Kopf und sie mussten beide lachen.
„Was sind es für Neuigkeiten?“
„Ihr habt 2 Gig-Termine. Einen in der Bar wo ich arbeite, mit der versprochenen Ankündigung, und noch in einer anderen Kneipe. Was sagst du dazu?“
„WoW. Du bist echt genial.“ Er wollte gerade noch was sagen, aber da kam bereits das Vorklingeln und sie eilten hastig in den Raum.
„Hey, Ryan. Wollen wir nicht heute Abend zusammen ausgehen?“ fragte eine von der Mädchen-Clique.
Er schaute zu Kaya als würde er sie um Erlaubnis fragen müssen und schalt sich dafür selbst.
„Ähm.....ich hab heute schon etwas vor. Tut mir leid.“
„Ach so ist das. Na, ich hoffe du verschwendest nicht mit der da,“ sie zeigte auf Kaya, „deine Zeit. Die ist doch gar kein richtiges Mädchen.“ Mit einer arroganten Drehung wandte sie sich ab.
Am liebsten hätte er Kaya verteidigt und etwas entgegnet, aber irgendwie kam ihm kein Wort über die Lippen. Er schaute zu ihr. Sie hatte es gehört, wirkte aber nicht verletzt. Sah das Mädchen nur mit einem abschätzenden Blick an und schien zu einem nicht wirklich guten Urteil zu kommen.
Während der ganzen Stunde musste er an sie denken. Ihm fielen die ganzen Augenblicke der ganzen Tage ein und plötzlich hatte er die Idee für ein Lied und begann es aufzuschreiben.
Am Ende des Unterrichts ging er zu ihr.
„Hast du nicht Lust morgen zur Bandprobe zu kommen?“
„Hmm.....ich weiß nicht.....“
„Warum denn nicht. Oder musst du wieder arbeiten?“
„Nein morgen mal nicht, aber......“ Er erlebte sie das erste mal unentschlossen und unsicher. Warum bei einer so einfachen Frage?
„Ach, was soll’s. Ich komm gern und freu mich schon.“ Ihrem Lächeln nach schien sie es ernst zu meinen und sich wirklich zu freuen. Das Mädchen überraschte ihn immer wieder.
„Aber weißt du was?“ fragte sie keck.
„Hmm?“
„Du hast vergessen zu fragen, wann ihr auftreten sollt. Das ist nämlich nächste Woche.“
„Ohhhh.....wie konnt ich das denn nur vergessen.“
„Tja, zu viel an das Angebot von dem Mädel gedacht?“ sie grinste dabei frech.
„Ja, klar. Ich hab ja auch sonst nichts besseres in der Stunde zu tun.“
„Naja aufgepasst hast du zumindest nicht. Du sahst recht abwesend aus.“
„Wenn du Zeit hattest das zu bemerken, war deine Konzentration auch nicht die beste.“
„Tja....aber wer von uns hat sich imGegensatz zum anderen Notizen zum Stoff und dem Test nächste Woche gemacht?“
„Was? Wir schreiben....?“
„Jap. Ich leih dir meine Notizen, damit du dir das abschreiben kannst. Natürlich nur wenn du willst?“
„Danke....du hast mich schon wieder gerettet.“
„Naja, du hättest die auch von jedem anderen Mädchen bekommen können......manche sehen aus als würden sie dir bald hinterhersabbern. Sorry für den Vergleich.“
„Du übertreibst......“ Was nützte es einem, wenn sich die Tussen für einen interessierten ohne dass sie einen auch nur etwas kannten?
„Na gut. Ich werd dann mal nach Hause. Schönen Tag noch.“ Winkend ging Kaya davon, sodass er ihr nur noch ein „Dir auch“ hinterher rufen konnte.
Sie stand vor dem Proberaum.
Sollte sie da wirklich reingehen? Tara wäre bestimmt nicht begeistert. Naja sie war selbst schuld. Sie hatte aber nicht ahnen können, dass Tara sich so von ihr abwenden würde, fast hassen würde, nachdem sie Ben und sie zusammen gebracht hatte. Am besten sie dachte nicht weiter darüber nach.
In dem Moment kam auch Ryan aus dem Gebäude. Sie zuckte leicht zusammen. Untypisch für sie. Vielleicht lag es daran, dass sie so in Gedanken gewesen war.
„Hey, da bist du ja. Ich dachte schon du kommst nicht.“
„Dann hätt ich abgesagt.““ Sie grinste und beobachtete, wie er sich eine Kippe anzündete. Seine blonden, hochgestellten Haare. Auffällig, was besonderes und bei ihm irgendwie niedlich......süß.
„Auch eine?“
„Ja, danke.“
Sie zündete sich eine von seinen Zigaretten an und beobachtete ihn weiter.
Er grinste sie an und Kaya konnte einfach nur zurück grinsen.
Als sie aufgeraucht hatten, gingen sie zusammen in den Proberaum. Sie sah wie Ben und Tara sich gerade küssten.
Tara löste sich von ihm und wandte sich zu ihr um, um zum Sofa zu gehen. Als sie Kaya erblickte, schaute sie erstaunt und säuerlich. Ohne etwas zu sagen setzte sie sich. Kaya blieb nichts anderes übrig als sich neben ihr niederzulassen.
Ryan war verwundert über das Verhalten der beiden. Obwohl nach dem Tara so schlecht von Kaya geredet hatte, hätte er es sich auch denken können. War das der Grund, warum Kaya so unentschlossen gewesen war her zu kommen? Das erinnerte ihn aber auch wieder daran was Tara ihm erzählt hatte. Irgendwie ließ ihm das keine Ruhe. Vielleicht sollte er doch mal Ben fragen.
„Ryan.....hör auf zu träumen. Wir überlegen gerade mit welchem Lied wir anfangen wollen.“
„Wie wäre es mit Everyday und danach Man in the Street?“
„Okay!“
Sie begannen zu spielen. Normalerweise war Ryan kaum noch anwesend im Raum, wenn er sang. Er merkte jedesmal wie er in eine adere Welt driftete, doch heute nicht. Sein Blick wanderte durch den Raum und blieb bei Kaya hängen. Sie sah ihn an......ihn oder Ben. Er war sich nicht sicher. Sie wirkte richtig zu frieden, entspannt. Tara hingegen wirkte immer noch erbost.
Er bemerkte wie Kaya den Takt auf ihrem Bein leicht mitklopfte. Hatte er schon einmal so ein friedliches Lächeln an ihr beobachtet? Er konnte sich nicht erinnern.
Nachdem sie die beiden Lieder gespielt hatten, einigten sie sich auf die nächsten paar Lieder.
Als die Probe zu Ende war, gingen sie zu den beiden Mädchen.
„Und wie waren wir?“ fragte Ben grinsend.
„Super. Besonders du,“ erwiderte Tara und stand auf um ihn zu küssen.
Alle anderen schmunzelten. Außer Kaya.
„Und wie fandest du uns?“ fragte Tom an sie gewandt.
„Sehr gut. Ich mag eure Musik. Hat Ryan euch schon erzählt, dass ihr zwei Auftritte habt?“
„Ja, hat er. Danke, du bist echt super,“ entgegnete Christian und umarmte sie kurz zum Dank.
Die anderen schlossen sich an. Auch Ryan umarmte sie kurz und irgendwie war es ein komisches Gefühl. Irgendwie wünschte er sich, dass die anderen nicht da wären und er sie länger im Arm halten könnte.
Er merkte wie ein unsicheres Grinsen über sein Gesicht huschte und hoffte, keiner würde es sehen.
„Hey, ich will auch!“ Ben löste sich schnell von Tara und umarmte Kaya ebenfalls.
Es schien keinem zu entgehen, dass es für beide etwas komisch war.
Ryan schaute zu Tara, die mehr als nur böse schaute. Ob die anderen auch die Spannung in der Luft spürten?
Kaya löste sich ganz schnell aus Ben’s Armen.
„Nagut, ich werde aber nun nach Hause müssen. Wünsch euch allen einen schönen Abend.“ Sie machte kurz eine Abschiedsgeste in der Luft und machte sich dann auf den Weg.
„Warte, ich komm mit. Wir haben doch eh n ganzes Stück gleichen Weg.“
Ryan sagte den anderen schnell tschüß und beeilte sich dann, sie einzuholen.
„Geht ihr gar nicht noch weg?“
„Nein. Die anderen haben schon alle was vor. Tom will noch zum Yoga-Unterricht. Scheint ihm sehr wichtig zu sein, dass zu lernen. Christian will noch n paar Griffe und Kompositionen testen und Ben und Tara wollten noch etwas Zeit zu zweit verbringen.“
Er betrachtete sie von der Seite. Sie zeigte kaum eine Reaktion.
„Achso. Habt ihr schon eine Playlist für die Auftritte?“
„Nee, aber wir werden uns bald eine zusammenstellen. Soll ich dich noch bis nach Hause bringen?“
Es fiel ihm wieder ein woher sie das blaue Auge hatte und er mochte sie nicht alleine gehen lassen. Die anderen hatten ihn auch schon gefragt, was passiert war und er hatte es ihnen erzählt.
Amüsiert antwortete sie: „Nee, lass ma lieba. Fremde Gesichter sind nicht beosnders beliebt in der Gegend. Wenn die dich mit deinen blonden Stachelhaaren sehen, ist das für sie ne Einladung. Danke, ist aber lieb gemeint.“
Hatte sie was gegen seine Haare?
„Ich hab nichts gegen deine Frisur, aber für die bist du nu mal n gefundenes Fessen.....oder Prügelopfer....sorry.“
Konnte sie Gedanken lesen, oder hat man ihm das nur schon wieder so gut angesehen?
Sie brachte ihn bis vor die Haustür.
„So, jetzt sind wir bei mir. Möchtest du noch mit reinkommen?“
„Tut mir leid, aber ich hab keine Zeit. Ich werde zu Hause erwartet.“ Sie lächelte entschuldigend.
„Okay.....“ Er umarmte sie noch einmal ganz spontan. „Vielen Dank. Du hilfst uns echt sehr mit den Auftritten.“
Irgendwie kam es ihm selbst fast mehr wie ein Vorwand vor um sie noch ein mal umarmen zu können.
Sie drückte ihn kurz an sich und ihm blieb fast das Herz stehen.
Er schaute ihr in die Augen und hoffte darin lesen zu können. Irgendwie fürchtete er sich vor dem, was jetzt kommen könnte. Wenn es ihr nun nicht so ging wie ihm. Doch ihre Augen schauten so freundlich. Langsam näherte er sich ihrem Gesicht. Seine Hände legten sich an ihren Hals, aber ließen ihr die Möglichkeit den Kopf weg zu ziehen. Eigentlich hatte er das sogar fast erwartet. Erst als sich ihre Lippen fast berührten, schloss er die Augen. Weich berührten sich ihre Münder. Es war unglaublich.
Ryan zog sie noch ein Stück dichter an sich. Seine eine Hand leckte er locker an ihre Hüfte.
Es dauerte etwas bis sie sich von einander lösten. Sie schaute so verwirrt, wie er sich fühlte.
Beide wichen noch einen weiteren Schritt zurück. „Ähm.....“ Keiner wusste, was er sagen sollte. Verlegen sahen sie sich an und schauten schnell wieder zur Seite.
Ryan brach das Schweigen. Er näherte sich ihr und nahm ihre Hand, damit ihnen das Reden leichter viel.
„Weißt du.......ich mag dich wirklich sehr. Ich meine .....wollen wir es nicht vielleicht versuchen mit einer.....Beziehung?“ Bei seinen Worten schaute er die ganze Zeit auf ihre Hände. Langsam blickte er auf um ihre Reaktion zu sehen.
Sie wirkte sprachlos, überrascht..... Auf einmal began sie zu lächeln und er bekam Hoffnung.
„Ja, es würde mich freuen. Ich mag dich auch sehr gern,“ antwortete Kaya.
Glücklich zog er sie an sich und küsste sie erneut. Er merkte, dass sie erst noch unsicher war, ihn dann aber erwiderte.
Vorsichtig löste sie sich von ihm. „Ich muss jetzt wirklich nach Hause. Wir sehen uns morgen.“
Ryan schaute ihr noch hinterher und betrat dann glücklich grinsend das Haus. Die verwunderten Blicke seiner Eltern ignorierte er, rannte hoch in sein Zimmer und schmiss sich aufs Bett. Gott, war das Leben manchmal geil. Kaya war einfach toll und jetzt waren sie zusammen.
Am nächsten Tag trafen sie sich erst in der Hofpause. Sie wussten nicht, wie sie sich vor all den anderen verhalten sollten. Doch sie tauschten immer wieder Blicke aus.
Schließlich war die Schule vorbei und als Ryan und Kaya zur Probe gingen, hielten sie Händchen. Unerwarteter Weise warteten die anderen 3 Jungs diesmal draußen auf ihn. Wahrscheinlich weil Ben noch rauchen wollte.
Als sie die Beiden sahen vielen ihnen fast die Augen raus.
Christian und Tom wünschten ihnen grinsend Glück, obwohl Christian nicht ganz so glücklich über ihre Beziehung wirkte.
Ryan fragte sich warum er irgendwelche Vorbehalte haben sollte. Ben schwieg. Er sah sie mit verstimmten Ausdruck an. Das verstand er nicht.
„Geht schon mal rein. Ich komm gleich nach.“ Die anderen Jungs gingen rein und Ryan war mit Kaya allein.
Er gab ihr noch einen Abschiedskuss, da sie zur Arbeit musste. Dann folgte er den anderen.
Nach der Probe hielt er Ben zurück. Ryan wollte endlich wissen, was da passiert war. Es beschäftigte ihn und als ihr Freund ging es ihn auch irgendwie was an.
„Ben, hast du noch mal kurz Zeit?“
„Klar, was gibt’s?“
„Bist du sauer, dass Kaya und ich......du weißt schon.“ Er hörte Ben seufzen und es dauerte einen Moment bevor dieser antwortete.
„Nein. Ich war vorhin nur überrascht. Warum sollte es mich auch stören. Ich bin glücklich mit Tara. Ich freu mich für euch.“
„Gut, weil ich will nicht, dass etwas zwischen unserer Freundschaft steht.“ Ryan überlegte kurz ob er sich für Ben von Kaya getrennt hätte. Wahrscheinlich nicht. Sie gab ihm das Gefühl, das ihm bis jetzt noch niemand gegeben hatte. Das es egal war, wie unrealistisch seine Träume waren und das er so okay war, wie er war, auch mit seinen Fehlern.
„Ich wollte dich noch etwas fragen. Tara hat mir erzählt, dass Kaya......dass sie dich geschlagen hat. Das stimmt doch nicht oder?“
Ben schaute ihn etwas sonderbar an, aber Ryan konnte den Blick nicht deuten.
„Nein, das hat sie nicht. Sie hat schlecht geträumt und ich habe versucht sie zu wecken, da hat sie um sich geschlagen.“
„Ben, du bist n echter Kumpel. Wir sehen uns morgen.“ Mit diesen Worten ging Ryan.
Er ließ einen in Gedanken versunkenen Ben zurück. Um mit sich selbst wieder klar zu kommen begann dieser auf sein Schlagzeug einzuhauen.
Als Ryan eine Woche später zur Schule kam, schauten ihn alle komisch an. Sie tuschelten, grinsten und zeigten auf ihn. Wenn er an ihnen vorbeikam wurden sie auf einmal immer ganz ruhig. Seltsam. Gestern war noch alles normal gewesen.
Keil kam auf ihn zu. Nicht der auch noch.
„Na, kleiner. Ich hab gehört deiner soll ziemlich klein sein. Und dazu sollst du auch noch n Schnellschießer sein. Zumindest hat das deine Freundin geflüstert. Vielleicht sollte ich ihr geben, wozu du nicht fähig bist...... Ich mein sie stand schon immer auf mich,“ meinte Keil hämisch. So laut, dass jeder es hören konnte.
Ryan erstarrte. Das konnte.......Er schaute in die Gesichter seiner Mitschüler. Doch, irgendwer hatte so etwas erzählt. Er war erschüttert und sauer.
Hatte Kaya wirklich das Gerücht verbreitet? Warum hätte sie so etwas tun sollen. Sie war zwar gestern komisch gewesen, aber das bedeutete noch lange nicht, dass sie es gewesen war. Und dann noch Keil dieses Arschloch. Zum Glück war er sich sicher, dass sie sich nie auf ihn einlassen würde. Im Gegensatz zu seiner letzten Freundin.
Ryan ging weiter. Als er um die Ecke bog, konnte er seinen Augen kaum trauen. Keil spielte mit einer Haarsträhne von Kaya und küsste sie. Sie wehrte sich nicht. Warum zum Teufel tat sie das?
Er stürmte zu den beiden.
„Was soll das?!“ fragte er wütend. Warum? WARUM? WARUM???
Kaya drehte sich zu ihm und Keil nahm seine Finger von ihr.
„Na, ich werd euch zwei mal allein lassen. So viel Zeit hab ich auch noch.“ Mit diesen Worten verschwand Keil grinsend.
Ryan wandte sich Kaya zu. Sie schaute ihn nur ausdruckslos an.
„Hast du dieses Gerücht in die Welt gesetzt?“ fragte er sauer. Er merkte wie etwas hinterhältiges kurz ihren Gesichtsausdruck veränderte. Einen Moment stockte ihm der Atem, dann brodelte sein Zorn über.
Er schlug mit der Faust neben ihrem Kopf an die Wand und kesselte sie so fast ein.
„Warum, hast du das getan?“ versuchte er etwas ruhiger zu fragen.
Mit einem gehässigen Grinsen zuckte sie einfach nur mit den Schultern.
In dem Moment konnte er gar nicht klar denken. Er holte aus und hätte sie geschlagen. Doch im letzten Moment wurde ihm bewusst, was er da gerade tat.
Kaya sah ihn verwundert an. Ihr Blick irritierte ihn. Ryan hatte erwartet, dass sie genau so geschockt darüber war wie er und dazu noch ängstlich und sauer.
Seine Hand war immer noch geballt und nur weniger Centimeter von ihrem Gesicht weg.
„Nun hau doch zu. Los schlag mich,“ platzte es Kaya auf einmal heraus.
Perplex ließ er die Hand sinken und starrte sie sprachlos an. Das hatte sie eben nicht gesagt. Nein, das hatte sie nicht. Er war unfähig darauf auf irgendeine weise zu reagieren.
„Was ist? Traust du dich nicht?“ fragte sie herausfordernd.
Verwirrt sah er sie an. Irgendwas lief hier falsch. Vielleicht ein Traum? So etwas konnte nicht real sein.
Ryan schluckte. „Was....was hast du gesagt?“ kam es unsicher über seine Lippen.
„Ich hab gesagt, schlag mich doch. Oder bist du dazu zu feige?“
Er konnte nicht glauben, dass sie so etwas wirklich sagte. Warum sollte sie wollen, dass er ihr weh tat?
„Warum? Ich versteh dich nicht. Warum soll ich dich schlagen?“ fragte er leise. Jede Wut war aus seinem Körper gewichen.
Ryan bemerkte wie ihr Blick wieder so leer wurde.
„Ich hab dieses Gerücht in die Welt gesetzt mit dem dich jetzt alle aufziehen werden. Du bist sauer.....warum tust du mir nicht weh?“ Blitzte da kurz Trauer in ihren Augen auf?
Es bestürzte ihn. Sie so zu sehen und sie solche Dinge sagen zu hören. Wie kam sie nur darauf. Es machte ihn irgendwie traurig.
„Kaya.....“ er streichelte ihr sanft über die Wande. „Ich hab dir doch gestern gesagt, dass ich dich liebe. Ich könnte dir nicht weh tun. Wie kommst du auf die Idee, dass ich dich verletzen würde?“
Sie bewegte sich nicht und in ihrem Gesicht bewegte sich ebenfalls nichts.
„Alle Menschen, die behauptet haben, dass sie mich gern haben, verletzen mich oder ich sie.“ Mit diesen Worten befreite sie sich und rannte über den Schulflur davon.
Ryan schaute ihr verstört hinterher.
Bis zum Ende des Unterrichts ging Kaya ihm aus dem Weg. Er wollte das klären.
Ryan mochte sie, liebte sie und wollte nicht, dass ihre Beziehung schon so schnell endete.
Deswegen wartete er draußen auf sie. Da kam sie.
„Kaya......“ Er ging auf sie zu.
„Ryan....“
„.......“ Er überlegte was er sagen konnte.
„Es tut mir leid, wenn ich etwas falsch gemacht habe. Ich hab dich furchbar gern und will dich nicht so schnell schon wieder verlieren.“ Ryan hätte selbst nicht gedacht, dass er jemals in seinem Leben den Mut aufbringen würde so etwas zu sagen.
Kaya sah ihn traurig an und nickte schließlich. Er umarmte sie und hatte den Eindruck, dass sie sich fast an ihn klammerte, Schutz suchte. Irgendwann würde er mit ihr darüber reden müssen. Da war etwas, was sie in sich eingeschlossen hatte. Aber jetzt war nicht der Zeitpunkt dafür.
Sie küssten sich kurz.
Da kamen die Jungs und Tara zu ihnen.
„Na, ihr Turteltauben,“ grüßte Tom lachend.
Ben schaute auf den Boden und Tara starrte Ryan wie einen Verräter an.
Was war hier nur los?
„So, da ihr jetzt ja schon mal alle zusammen seid, kann ich euch ja gleich die guten Neuigkeiten erzählen. Mein Chef meinte, dass ihr letztens wirklich sehr gut ward und beim nächsten mal will er euch bezahlen.“
Anstatt diese Neuigkeit zu feiern, war jeder seine Wege gegangen. Ryan und Kaya gingen Händchen haltend zu ihm nach Hause.
„Möchtest du nicht mit reinkommen?“ Er schaute sie lieb an.
„Sind deine Eltern da?“
„Nein, aber sie müssten bald kommen. Stört das denn? Ich dachte wir gehen in mein Zimmer.“ Er hoffte, dass sie mit reinkommen würde. Vielleicht konnte er dann mit ihr über die andere Sache sprechen....aber vor allem hoffte er Zeit mit ihr verbringen zu können und sie noch näher kennen zu lernen. Es war ihm bewusst geworden, wie wenig er über sie wusste.
Kaya lächelte. „Ich komm gerne noch mit rein.“
Er griff wieder nach ihrer Hand, schloss auf und trat ein. Ryan schmiss den Schlüssel auf den Flurschrank.
„Möchtest du was trinken? Oder essen? Dann nehme ich es gleich mit nach oben.“
„Ein Glas Wasser, danke.“
Er verschwand in die Küche und ließ sie im Flur stehen.
Verwundert schaute sie hinterher.
Mit 2 Gläsern, einer Flasche und einem Teller Kekse tauchte er wieder, wobei ihm die Flasche fast herunterrutschte.
„Mensch, dann sag doch was, wenn du nicht alles tragen kannst. Ich hätte dir doch geholfen, Kleina.“ Lachend nahm sie ihm die Flasche ab.
Er fragte sich, wie es kam, dass sie so ausgelassen wirkte. Das war bei ihr so selten. Aber ihr Lachen war ansteckend. Zumsannen gingen sie nach oben.
„Setz dich ruhig auf mein Bett.“
Kaya setzte sich und schaute sich um. Der Raum, war fast wie ein typisches Zimmer eines Jugendlichen eingerichtet. In einer Ecke stand eine schwarze Gitarre. Sie hatte gar nicht gewusst, dass er auch Instrumente spielen konnte. Dann wanderte ihr Blick zu der Musikanlage. Die Boxen wirkten recht groß. Damit konnte er sich bestimmt von allem anderen abschirmen. Sie sah zu ihm. Er stand mit dem Rücken zu ihr und goss ihnen Wasser ein.
Irgendwie konnte sie sich kaum vorstellen, dass sie wirklich mit ihm zusammen war. Sie konnte ja nicht mal glauben, dass sie ihn so sehr mochte. Aber das tat sie.
Fast wäre ihr eine Träne gekommen, aber in dem Moment drehte sich Ryan zu ihr um und setzte sich neben ihr hin.
„Dein Wasser.“ Er hatte den Teller auf einen Stuhl vor dem Bett gestellt.
„Danke.“
Sie sahen sich an. Keiner wusste genau was er sagen oder tun sollte. Verlegen lachten sie und dadurch lockerte sich die Stimmung bereits wieder etwas.
„Soll ich Musik anmachen? Was würdest du gerne hören?“
„Was hast du denn?“
„Ach alles mögliche.“
„Mach einfach etwas an, was du jetzt gerne hören würdest.“
Ryan machte eine ruhige Rock-CD an.
Während Ryan die Kuschelrock-CD anmachte, schaute er zu Kaya. Sie sah wirklich gut aus und in diesem Moment fühlte er sich von ihr sehr stark angezogen. Nicht von ihrem Äußeren.....sondern von ihrem Ich. Gefühlsmäßig.
Er beugte sich zu Kaya und küsste sie. Sie erwiderte es. Sanft drückte er sie weiter aufs Bett bis zur Wand, sodass er halb über ihr war. Dabei lösten sich ihre Lippen nicht für einen Moment.
Ryan fuhr ihr sanft über die Wange. Er spürte eine Hand auf seiner Hüfte und sie begann mit der anderen spielerisch an seinen Haaren zu zupfen. Das entlockte beiden ein Grinsen, obwohl ihre Zungen miteinander spielten.
Langsam wanderte seine Hand unter ihren Pulli.
Kaya löste sich von ihm.
„Du hast doch gesagt, dass deine Eltern bald kommen.“
„Sie haben auf dem Küchentisch eine Nachricht hinterlassen. Sie sind doch auf einem Geschäftsessen und kommen deswegen sehr spät.“
Sie bemerkte wie kurz die Einsamkeit seine Augen trübte.
Doch Ryan beugte sich erneut zu ihr um sie zu küssen. Als seine Hand unter ihrem Pulli in Richtung ihres Rückens fuhr, schob sie sie fort.
Erneut ging sie auf Wanderschaft, diesmal schob sie Ryan ein Stück von sich weg.
„Es tut mir leid, Ryan, aber.......“ Sie schüttelte den Kopf.
Er verstand. Schien zu verstehen. „Ich ....ich will dich zu nix zwingen.“
Sie sah die Sehnsucht nach Liebe in seinen Augen.
„Ryan, ich hab dich wirklich sehr gern. Ich glaube, ich lie..... Ich hoffe du weißt, dass ich dich lieb habe.“ Kaya streichelte ihm leicht über das Gesicht. „Aber, ich sollte jetzt lieber gehen. Es tut mir wirklich leid.“
Sie gab ihm einen flüchtigen Kuss. Er hatte nicht einmal die Zeit sie kurz an sich zu ziehen.
„Bis morgen.“ Sie verließ das Haus.
Wortlos und verlassen schaute er hinter ihr her.
Es tat ihr weh ihn so allein zu lassen. Sie hatte gespürt, wie sehr er sie brauchte, jemanden brauchte. Er wirkte einsam und verlassen und wahrscheinlich hatte sie ihm weh getan alsa sie ihn in diesem Zustand alleine ließ. Aber sie hatte Panik bekommen. Furchtbare Angst, dass er sie zurückweisen würde, wenn er etwas sehen würde.
Sie schüttelte ihren Kopf auf dem Weg nach Hause. Nein. Das wollte sie nicht. Sie musste ihn auf Abstand halten. Zumindest in dieser Beziehung. Er würde es nicht verstehen.
Kaya erreichte die Wohnung und schloss sie auf. Beim Eintreten schob sie mit dem Fuss Müll und Flaschen zu Seite.
„Gehst du heute noch arbeiten?“ hörte sie ihren Vater fragen.
„Ja.“ Sie fragte gar nicht warum er das wissen wollte. Es war besser wenn sie es nicht wusste.
„Gut. Vielleicht kannst du vorher ja noch ein bisschen aufräumen.“ Auch wenn es wie eine Bitte formuliert war, ließ sein Tonfall keinen Zweifel darüber aufkommen, was passierte wenn sie es nicht tat.
Also räumte Kaya noch schnell auf bevor sie sich auf den Weg zur Arbeit machte.
Unterwegs dachte sie über sich und Ryan nach. Warum sollte es mit ihm klappen, wenn es mit Ben nichts geowrden war. Sie hatte sich von ihm getrennt und ihn mit Tara verkuppelt, obwohl sie zu diesem Zeitpunkt furchtbar in ihn verliebt war. Aber es war schon kein Fehler gewesen. Versuchte sie sich zumindest ein zu reden.
War es ein Fehler mit Ryan zusammen zu sein und sich immer mehr in ihn und seine Art zu verlieben?
„Guten Morgen,“ begrüßte Ryan sie am nächsten Tag und gab ihr einen Kuss.
„Morgen,“ antwortete sie etwas müde.
Er betrachtete sie. Sie wirkte matt und müde.
„Hast du nicht gut geschlafen?“ fragte er besorgt.
„Nicht so richtig.“ Seine Sorge zauberte ein Lächeln auf ihr Gesicht, wodurch sie gleich etwas frischer wirkte.
Ryan schaute auf die Uhr. „Oh der Unterricht beginnt gleich. Nagut. Viel Spaß bei Spanisch. Ich werd zu Englisch. Bis zur Hofpause.“ Er gab ihr noch schnell einen Kuss und eilte dann in einen anderen Teil des Gebäudes.
Von dem gestrigen Vorfall hatte er sich nichts anmerken lassen.
Sie betrat den Spanischraum und suchte sich den letzten leeren Platz. Direkt neben Keil. Das war einfach nicht ihr Glückstag. Erst hatte das Stöhnen der Schlampe, die ihr Vater mitgebracht hatte, sie die ganze Nacht wach gehalten und dann war sie auch noch so dumm gewesen und hatte sich mit ihm angelegt.
Kaya spürte den Blick von Keil auf sich und schnitt ihm genervt eine Grimasse bevor sie sich endgültig dem Unterricht widmete.
Als die Stunde zu Ende war, machte sie für sich drei Kreuze. So berauschend war ihre Klausur nicht ausgefallen.
Hastig packte sie ihre Unterlagen ein, bevor der Lehrer oder Keil auf die Idee kam mit ihr zu reden.
Leider holte Keil sie schnell ein. Warum konnte der Kerl sie nicht einmal in Ruhe lassen?
Hmm, komisch, dass Kaya noch nicht draußen war, dachte Ryan bei sich. Suchend blickte er über den Schulhof.
„Bin gleich wieder da,“ meinte er zu Ben, Christian und Tom und ging dann Richtung Spanischraum.
„Du weißt, dass ihr nicht zusammen passt.“ Als Ryan Keils Stimme vernahm, ballte er seine Hände zu Fäusten.
„Und zu dir würd ich viel besser passen, oder was?“ fragte sie herausfordernd.
Ryan blieb an der Ecke stehen und schaute den beiden zu ohne sich ein zu mischen. Er wusste selbst nicht genau warum. Vielleicht weil er auch Zweifel hatte, ob er und Kaya zusammen passten?
„Ja. Weißt du, wir sind uns sehr ähnlich.“ Diesmal klang Keil’s Stimme ernst.
„Wo sollen wir uns ähnlich sein? Das ist eine Beleidigung, wenn ich so sein soll wie du.“
Auf ihre bissige Antwort reagierte er mit einem leicht zynischem, spöttischem Ton.
„Wir sind uns sogar sehr ähnlich. Auch wenn du das gerne leugnen würdest, oder? Komm schon. Ich weiß, dass du ein Leben ohne Schmerz nicht kennst. Wahrscheinlich nicht erträgst. Ja, genau so wird es sein. Und weißt du, ich versteh dich. Vermutlich als einziger.“
„Du spinnst doch.“ Brauste sie auf. „Erzähl nicht so einen Unsinn.“ Wütend entfernte sie sich von ihm.
„Na los. Erzähl mir die Ursache dafür,“ rief ihr Keil hinter her.
Als Kaya um die Ecke bog, stieß sie mit Ryan zusammen.
Beide rappelten sich wieder vom Boden auf.
„Alles in Ordnung mit dir?“ fragte Ryan und rieb sich die Stirn.
„Ja. Was machst du denn hier?“ Dabei hoffte Kaya, dass er nichts von dem Gespräch mitbekommen hatte.
„Ich war auf der Suche nach dir. Und hab dich ja jetzt auch gefunden. Auch wenn ich es mir etwas anders vorgestellt hatte.“ Er brachte ein Grinsen hervor und merkte, wie sie sich sichtlich entspannte.
„Na dann lass uns mal rausgehen. Ich kann eine Zigarette vertragen.“ Sie nahm seine Hand und zog ihn hinter sich her.
Kaya schien gar nicht zu bemerken wie Ryan sie beobachtete. Sie schien gegen irgendwelche Gedanken an zu kämpfen. Zu gerne würde er ihr helfen, aber sie erzählte ihm ja nichts. Und was meinte Keil damit, dass sie auf Schmerzen stand? Niemand fand so etwas gut! Oder? Er dachte daran, wie sie ihn aufgefordert hatte sie zu schlagen....ihr weh zu tun. Nein.......nein. So etwas konnte einfach niemand gut finden.
„Na da hast du sie ja endlich gefunden,“ meinte Christian grinsend als sie bei den anderen ankamen.
„Und wie er mich gefunden hat. Ich bin direkt in ihn reingerannt.“ Erwiderte Kaya mit einem Lachen.
Er sah sie weiter von der Seite an und irgendwie hatte er das Gefühl als ob sie ihm bereits entglitt. Als würde er sie schon bald verlieren.
„Hey, Ryan. Was ist denn los? Du schaust ganz schön depremiert,“ fragte Tom mit gerunzelöter Stirn.
„Ach nichts. Ich hab nur mal wieder vergessen, dass wir heute eine Klausur schreiben. Muss mir wohl nachher noch schnell einen Spicker machen.“ Entgegnete er Achselzuckend und mit dem Versuch eines Grinsens. Nein er konnte nicht wie Kaya einfach so grinsen wenn ihm nicht danach war.
„Mensch, kriegen wir dich denn gar nicht mehr groß? Imma das gleiche mit dir.“
In Wirklichkeit hatte er gelernt. Das passierte nicht oft, aber er hatte sich vorgenommen mehr für die Schule zu tun. Wenn Kaya Schule und Job unter einen Hut brachte, warum sollte er dass nicht auch mit der Musik können?
Es war nicht einfach. Manchmal schlief er über den Hefter ein, weil er meist erst spät von der Probe kam. Ob das anderen auch passierte.
Das Vorklingeln riss ihn total aus seinen Gedanken. Zusammen mit den anderen ging er rein.
Stolz hielten Ben und Ryan das Geld hoch.
„Wir haben es endlich geschafft! Unser erstes Geld für unsere Musik!!!“ brüllte Ben freudig quer durch die Kneipe und zog damit alle Blicke auf den Tisch, wo sie zu fünftsaßen.
„Mensch nicht so laut. Die starrren schon alle her,“ wisperte Tom.
Woraufhin Ben lachte: „Na und? Sind ja nur neidisch. Kommt lasst uns davon ordentlich was trinken heute.“
Tara seufzte. „Immer das gleiche mit dir.“
„Ach komm. Dafür liebst du mich doch.“ Grinsend beugte er sich zu ihr und gab ihr einen Kuss.
„Da hast du wahrscheinlich recht.“
Ryan selbst war auch nicht viel besser als Ben und merkte Kayas Grinsen, dass sie ihm von der Theke zu warf.
Er winkte ihr kurz zu.
„Heißt das, dass ihr das ganze Geld versaufen wollt?“ fragte Tom leicht skeptisch.
„Ja, wieso? Was dagegen?“
„Nee, ich wollt nur sicher gehen, dass du und Ryan nicht alleine alles davon wegsauft ohne das Christian und ich n Schluck sehen.“ Gab Tom lachend zurück.
„Na ein Schluck wird für euch noch übrig bleiben.“
Kaya kam an den Tisch. „Na, wisst ihr schon, was ihr wollt?“
„4 Bier und was möchtest du Tara?“ Ben sah fragend zu seiner Freundin.
„Ich nehm einen Caipi.“ Die Jungs sahen sie verwundert an, aber sie grinste nur.
„Und ich würd dich gern als Gesellschaft haben....“ Ryan sah sie fragend an. „Kannst du nicht Schluss machen und dich zu uns setzen und mittrinken. Immerhin haben wir das vor allem dir zu verdanken.“
Die anderen nickten zustimmend.
„Ich werd mal fragen.“ Sie gab ihm einen Kuss und ging dann zu ihrem Chef.
Kurze Zeit später kam sie mit den Getränken wieder.
„Und?“
„Geht klar.“ Sie wollte sich gerade auf einen freien Stuhl setzen als Ryan sie auf seinen Schoß zog. Kaya gab einen überraschten Laut von sich. Seine Arme schlangen sich um sie und drückten sie eng an ihn.
„Ich lass dich hier nie wieder weg,“ flüsterte er ihr ins Ohr.
„So.....ich wär mir da nicht so sicher. Von Bier kann man gut auf die Toilette rennen. Willst du mich da etwa mit hin tragen,“ konterte sie keck.
Das hatte er nicht bedacht. Wie dumm. „Wenn es sein muss.“ Er begann ihren Hals zu küssen.
„Hey....ihr werdet hier aba nicht übereinander herfallen, oder?“ wollte Christian wissen.
„Ich hoffe doch nicht.“ Meinte Kaya und löste sich sanft von Ryan. Dabei bemerkte sie Bens Blick. Sie konnte ihn nicht deuten.
„Ich werde mal kurz an die frische Luft gehen. Bin gleich wieder da.“ Alleine verließ sie die Kneipe und setzte sich auf einen großen Stein davor.
Sie starrte in den Himmel und hing ihren Gedanken nach als sie hörte wie sich die Tür öffnete und Ben heraustrat.
„Hei.“
„Hei.“
Er stellte sich vor ihr und schien einen Moment nicht zu wissen, was er sagen sollte.
„Mit Ryan läufts gut?“ fragte Ben schließlich mit unruhiger Stimme.
Sie nickte.
„Ben......es tut mir leid, wenn es dich stört das wir zusammen sind. Es ist nur.......weißt du ich hab ihn wirklich gern....“ rechtfertigte sie sich unaufgefordert.
„Und mich nicht? Ich mein wir waren ewig Freunde und schließlich haben wir die Liebe zu einander entdeckt gehabt. Oder hast du mich nicht geliebt. Ich dich jedenfalls schon. Dann machst du Schluß mit der Begründung, dass du nicht fähig bist eine Beziehung zu haben. Dass du Angst hast. Dann hast du auf einmal einen anderen Kerl. Kaum hast du mich mit Tara verkuppelt schickst du ihn in die Wüste. Weißt du, ich habe echt gedacht, dass du mich trotzdem magst. Dass du deswegen mit dem Typen zusammen warst. Damit ich dich aufgebe. Dass du Tara und mich zusammen gebracht hast, gerade weil du mich geliebt hast. Jetzt bin ich mir nicht sicher ob du mich vielleicht nur ausgenutzt hast. Ob du Ryan nicht vielleicht auch nur benutzt...“
„Nein....ich....“ Weiter kam Kaya nicht. Plötzlich spürte sie Bens Lippen auf den ihren. Er drückte sie fest an sich. Einen Moment erwiderte sie den Kuss. Genoss das vertraute Gefühl. Das Gefühl, das ihr so gefehlt hatte, als sie mit ihm Schluss gemacht hatte. Dann drückte sie ihn von sich weg.
„Nein, Ben.“ Kam es heiser von ihr.
Keiner von beiden bemerkte, wie Tara wieder zu den anderen drei zurückkehrte mit einem wütenden Funkeln in den Augen.
Ben und Kaya sahen sich an.
„Du magst ihn wirklich, oder?“ fragte Ben leise.
„Ja.“
Er nickte traurig.
„Liebst du Tara denn nicht Ben?“
„Doch....doch das tue ich.... Ich weiß nicht was das eben war. Vielleicht, weil du mir damals so gefehlt hast. Ich wollte dich küssen, aber wir waren nur noch Freunde. Ohne Tara hätte ich die Zeit damals nicht durchgestanden als du mir das Herz gebrochen hast.“ Er schaute auf den Boden.
„Es tut mir wirklich leid Ben. Das wollte ich nie.“ Sie machte einen Schritt auf ihn zu.
„Hattest du mich auch noch geliebt.“
„Ja. Es fiel mir schwer zu sehen, wie du und Tara euch immer mehr in einander verliebt habt. Es hat mir weh getan. Aber ich wusste, dass es besser für dich war. Dass sie besser für dich war. Das war das einzige was gezählt hat. Ich wollte dich nicht ständig wieder verletzten, sondern glücklich sehen.“
Mit Tränen in den Augen sahen sie sich an und fiel sich dann in die Arme und drückten sich fest aneinander.
Nach einer Weile lösten sie sich und wischten sich die Augen trocken.
„Okay, dann gehen wir mal lieber wieder zu unseren Partnern.“ Meinte Ben mit einem verlegenen Lachen und ließ Kaya vor.
„Mensch, da seid ihr ja wieder. Was habt ihr denn so lange gemacht,“ fragte Christian gut gelaunt.
„Geredet. Immerhin sind wir gute Freunde,“ antwortete Kaya und zwinkerte Ben zu. Beide grinsten.
Tara sah immer noch wütend aus, versuchte aber sich nichts weiter anmerken zu lassen.
Kaya setzte sich auf dem Stuhl neben Ryan und gab ihm einen kurzen Kuss.
„Soll ich dir etwas bestellen, Schatz?“ fragte dieser lächelnd.
„Ja, danke Schatz.“ Erwiderte sie schmunzelnd.
Der Abend wurde noch lang und schließlich gingen alle nach Hause.
„Willst du nicht noch mit zu mir kommen?“ fragte Ryan während sie Heim gingen.
„Ich weiß nicht,“ gab sie unsicher zurück.
„Meine Eltern sind nicht da. Ich würde auch unten auf dem Sofa schlafen?“ Bittend sah er sie an.
„Nagut.“
Er zog sie an sich und sie küssten sich leidenschaftlich.
„Ich liebe dich.“ Bei diesen Worten drückte er sie noch enger an sich.
„Ich dich auch. Aber bevor du mich hier auf der Straße vernascht, lass uns zu dir gehen.“
Glücklich kamen sie endlich vor seiner Haustür an und gingen zu ihm hoch.
Sofort begann er sie wieder zu küssen und sie erwiderte ihn nicht weniger leidenschaftlich. Er zog sie mit aufs Bett und begann ihren Bauch zu streicheln. Auch ihre Hand wanderte unter sein Oberteil.
Gegenseitig zogen sie sich aus.
Und während er es kaum noch erwarten konnte, hoffte sie das er in der Dunkelheit nichts von ihren Flecken und Narben sehen konnte.
Am nächsten Morgen erwachte sie und schaute sich verwundert um. Wo war sie. Müde drehte sie sich ein Stück beiseite und wurde sich der Situation bewusst.
Ryan lag neben ihr und sie wusste auch ohne nach zu schauen, dass sie beide nackt waren.
Gott, sie hatte mit ihm geschlafen. Wie hatte ihr das nur passieren können. So viel Ärger und Probleme nur wegen dieser einen Sache.
Kaya versicherte sich noch mal das er wirklich schlief und stand dann auf um sich anzuziehen. Unsicher blickte sie sich ein weiteres mal zu ihm um. Dann begann sie sich anzukleiden. Dabei dachte sie an die Nacht mit ihm. Trotz ihrer Angst war es wundervoll gewesen und sie hatte ihn gwollt. Alles in ihr hatte ihn gewollt und das hatte ihr am Anfang noch mehr Angst gemacht, aber die hätte sie nicht haben brauchen. Automatisch musste sie freudig lächeln.
„Morgen,“ ertönte ein müdes Nuscheln hinter ihr. Erschreckt drehte sie sich um.
In diesem Moment wusste sie, dass sie einen Fehler gemacht hatte. Einen, der nie wieder rückgängig machbar war. Nur in Hose und Top stand sie in seine Richtung und leichte Sonnenstrahlen fielen ins Zimmer. Hastig griff sie nach ihrer dünnen schwarzen Jacke, die sie immer über einem Top trug.
Ängstlich sah sie ihn an.
Einen Moment reagierte Ryan nicht. Sah sie einfach nur an bis er schließlich zu begreifen schien und sich langsam aufrichtete. Ohne ein Wort zog er die Jalousien hoch und das Zimmer wurde von Licht erfüllt.
Als Ryan es sah, wurde er bleich.
Ihre Arme waren voll von blauen Flecken und schwach sichtbaren Narben. Narben so unterschiedlicher Herkunft, dass es kaum vorstellbar war.
Ryan machte einen Schritt auf sie zu. Er wusste nicht was er tun oder sagen sollte, nur dass er etwas machen musste.
Sie wich zurück.
„Kaya......“ In dem Moment wusste er was zu tun war. Nicht Worte würden ihm helfen.
Er ging weiter auf sie zu und streckte die Hand nach ihr aus. Er sah in ihre ängstlichen Augen und als er sie erreichte zog er sie in eine sanfte Umarmung. Einen Moment schien es als würde sie widerstand leisten, doch schließlich klammerte sie sich an ihn. Und er hielt sie fest. Er würde sie beschützen. Sanft fuhr er mit der Hand über ihren Rücken.
Leises Schluchzen drang an sein Ohr. Als ob etwas in ihr zerbrochen wäre und nun einen anderen Teil von ihr frei geben würde.
Es dauerte lange bis sie sich von einander lösten und er sie langsam zum Bett führte, wo sie sich neben ihn setzte.
Ihre Hand haltend betrachtete er sie wartend.
Sie sah ihn unsicher an. Er merkte wie schwer es ihr fiel etwas zu erzählen. Es kostete sie große Überwindung als sie die ersten Worte sagte und es klang gequält.
„Es ist alles meine Schuld. Niemand kann etwas dafür.“
Schockiert blickte er zu ihr. Was meinte sie damit? Sie konnte sich doch nicht die ganzen Wunden selbst zu gefügt haben. Er versuchte ihr in die Augen zu sehen, aber sie starrte auf ihre Hände.
„Ich habe es verdient so bestraft zu werden.“
„Was redest du da? Niemand hat so etwas verdient.“ Es schmerzte ihn dieses Gespräch zu führen, aber es war wichtig.
„Auch keine Mörderin?“
„Auch keine Mörderin, aber du bist keine!“
„Doch bin ich.“
„Was, was meinst du damit?“ fragte Ryan unsicher.
„Ich bin schuld am Tod meiner Mutter. Sie hat mich vom Kindergarten abgeholt. Ich saß auf dem Beifahrersitz und habe den Beutel mit den Murmeln geöffnet. Sie fielen mir herunter und rollten unter die Bremse. Es kam zu einem schrecklichen Autounfall. Die Rettungskräfte konnten mich noch herausziehen, aber meine Mutter nicht. Sie ist verbrannt. Qualvoll.“ Ihre Stimme klang gequält und immer wieder stockte sie und lautlos liefen ihr Tränen über die Wange.
„Du hast auch Brandnarben davon getragen, oder?“
Sie nickte.
„Kaya, dass war nicht deine schuld. Du warst noch viel zu klein. Weißt du denn nicht, dass du unschuldig bist?“
Unsicher nickte sie erneut.
„Und dann..........?“
„Mein Vater gab mir die Schuld dafür und ich glaubte ihm. Er bestrafte mich für jeden kleinen Fehler den ich tat. Am Anfang waren es nur leichte Strafen. Doch er fing immer mehr an zu trinken bis er schließlich fast nie nüchtern war. Wir mussten das Haus aufgeben und er begann den Gürtel zu nutzen. Er hoffte immer das ich wieder etwas falsch machte, damit er mir wieder weh tun konnte. Dass er seine Wut über den Tod meiner Mutter herauslassen konnte.“ Sie holte lautlos Luft und schaute kurz auf, wandte aber sofort ihren Blick wieder zu den Händen.
Er wusste nicht was er sagen sollte. Was hätte er auch sagen können, was alle ihre Erfahrungen und Schmerzen hätte tilgen können? Das einzige, was er tun konnte war sie jetzt vor allen weiteren Schmerzen zu beschützen. Und vor ihrem Vater.
„Du kannst nicht zurück nach Hause,“ stellte er heiser fest.
„Und wo soll ich sonst hin?“ fragte Kaya skeptisch.
„Bleib das Wochenende erst einmal bei mir. Meine Eltern sind nicht da. In der Zeit überlegen wir uns was. Er wird dich nie wieder schlagen. Wir finden einen Weg. Sicher.“ Er beobachtete sie.
Sie nickte zaghaft.
„Danke, Ryan. Du bist echt wundervoll.“ Er merkte wie sie kurz mit sich rang, die nachfolgenden Worte aus zu sprechen. „Ich liebe dich.“ Sie sagte es sehr langsam......und das erste mal.
Er wusste das zu schätzen. „Ich liebe dich auch und ich bin immer für dich da. Versprochen.“
Sie küssten sich kurz.
Es wurde ein schönes Wochenende. Trotz der Suche um eine Lösung. Sie hatten viel Spaß, lachten.
Am Montag gingen sie zusammen zur Schule. Kaya hatte sich von ihm Blöcke und Stifte geborgt. Händchen haltend gingen sie die Straße entlang. Plötzlich sahen sie Tara um die Ecke kommen. Ihr Anblick erschreckte sie. Ihre Haaren standen ihr wild vom Kopf ab und die Augen waren gerötet. Doch bevor sie irgendetwas zu ihr sagen konnten, hob sie den Arm. Ryan und Kaya bemerkten die Waffe in ihrer Hand.
„Du......es ist deine Schuld....“
„Tara....was ist denn los? Was ist passiert? Was willst du mit der Waffe,“ fragte Ryan sie furchtsam.
„Sie hat mir Ben weggenommen. Diese falsche Schlange. Sie haben uns betrogen. Alle beide. Ich habe gesehen wie sie sich geküsst haben.“
In dem Moment schoss sie. Kaya ging neben Ryan zu Boden. Ohne weiter auf Tara zu achten ließ er sich neben sie fallen.
„Kaya.....!“ Er sah wie immer mehr Blut aus der Wunde an ihrem Bauch floss.
„Es wird alles gut.“
Im gleichen Moment hörte er Tara reden. „Ben, ich werde dir folgen. Im Jenseits werde ich nicht zu lassen, dass sie uns in die quere kommt.“ Gerade als er aufschaute, sah er wie sie sich die Pistole in den Mund schob und abdrückte.
Oh Gott.......Ben auch.
Er rief schnell den Krankenwagen und die Polizei, beeilte sich, damit er sich wieder um Kaya kümmern konnte.
„Du schaffst das.“ Er zog ihren Kopf auf seinen Schoss.
„Ryan, ich....der Kuss mit Ben....wir haben euch nicht betrügen wollen. Ich wollte ihn nicht und er auch nicht.....
Es hat ihm und mir nur gezeigt, dass wir uns nicht mehr lieben. Bitte.....ich liebe dich wirklich....“ Ihre Worte waren immer leiser geworden. Er versuchte es zu verhindern, doch sie verlor in seinen Armen das Bewusstsein und immer mehr Leben entwich ihr.
Tränen rannen ihm über die Wange.
„Ich liebe dich auch......“
Ende
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