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Reich der Schatten
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Freundschaft oder Liebe
„Ich hab gesagt, fass mich nicht an!“ schrei Ria und versuchte sich los zu machen. Aber John hielt ihren Arm fest und streifte den Ärmel hoch.
„Du hast es schon wieder getan!“
Sie entriss ihm den Arm und verdeckte die roten Linien auf diesem wieder. Auf den Lippen kauend schaute Ria zu Johnhoch.
„Der Kerl macht dich kaputt. Und das weißt du.“ Er holte tief Luft. Wie oft hatte er mit ihr darüber geredet? Sie kannten sich schon so lange, waren schon ewig beste Freunde. Und doch........ er hatte ihr nie helfen können. Nicht dabei. Es schmerzte ihn das mit ansehen zu müssen.
„Ich weiß, dass du ihn liebst, aber.........“ Seit sie mit diesem Kerl zusammen war, war es schlimmer geworden. Sie schnitt sich noch öfter als früher und sie rauchte auch viel mehr.
John nahm ihre Hand und drückte sie kurz. „Komm wir gehen ins Café und du erzählst mir was passiert ist.“
Sie nickte dankbar. Auf dem Weg hielt er ihre Hand und wünschte sich dadurch Kraft auf Ria übertragen zu können.
Angekommen setzten sie sich hin, bestellten einen Eisbecher für zwei. Einen Moment schwiegen sie. Ria wurde es sichtlich unangenehm und sie platzte heraus. „Er hat nie Zeit für mich. Viel lieber hängt Christian mit seinen Freunden herum und behandelt mich in deren Gegenwart wie Dreck. Wenn er sich dann doch mal blicken lässt, dann nur für das Eine!“ Sie machte eine Pause. „Ist es wirklich so, dass Jungs nur das wollen?“
Unsicher begegnete sie Johns Blick.
Er schüttelte den Kopf. Sie wollten beschützen, behüten, lieben und geliebt und umsorgt werden.....
„Was sagt er zu den Schnitten?“
„Nichts, falls er sie überhaupt bemerkt hat. Er meinte mal, dass er sich nicht einmischt bei mir.“ Sie schaute auf ihr Eis und aß langsam.
So ein verdammter Idiot, dachte John. Wieso erkannte er nicht was Ria für ein wunderbares Geschöpf war? Seine Gedanken verrieten ihn mal wieder. Aber hatte sich damit abgefunden nur ihr Freud zu sein. So konnte er wenigstens immer für sie da sein.
„Was machst du für eine deprimierende Stimmung?“ fragte sie grinsend und schwupp hatte er einen Löffel voll Eis im Gesicht.
Auch typisch. Wenn sie eine Stimmung satt hatte, wechselte sie einfach in die nächste.
„Das gibt Rache!“ Es brach eine Eisschlacht aus, die damit endete, dass sie das halbe Eis gegessen, die andere Hälfte im Gesicht und viel gelacht hatten. Nachdem beide sich das Gesicht mit Servierten abgewischt und sich kurz umarmt hatten, trennten sie sich.
3 Tage später saß John gerade am Rechner. Es klingelte. Rasch merkte er sich mit wem er gerade übers Internet geredet hatte, logte sich aus und lief in Richtung Tür. „Komme!“
Schwungvoll riss er die Tür auf und erstarrte.
Ria sah furchtbar aus. Die Augen waren von Tränen gerötet und der Kajal verlaufen. Er zog sie an sich, schloß mit einer Hand die Tür.
Gerne wäre John mit ihr noch bis zur Couch gegangen, aber sie klammerte sich an ihn, sank auf den Boden und zog ihn mit sich.
Ihr Schluchzen tat ihm weh. Er wollte ihr helfen, aber er wusste nicht wie. Fest drückte er Ria an sich., sein Kopf lag auf ihren Haaren und flüsterte immer wieder „Ist ja gut meine Kleine.“
Als sie aufhörte zu schluchzen, holte sie ihre Kippenschachtel aus der Manteltasche. „Darf ich?“
Er mochte es nicht wirklich, wenn jemand in seiner Wohnung rauchte. John zog einen Aschenbecher hinter der Vase hervor. Aber er selbst brauchte auch manchmal einfach ne Fluppe.
Überrascht sah sie ihn an. Sie wat immer davon ausgegangen, dass er aufgehört hatte.
„Gelegentlich,“ antwortete er auf ihre gedachte Frage.
Sie zündete sich eine Zigarette an.
Er nahm sich ebenfalls eine aus ihrer Schachtel und seit langem rauchten sie wieder zusammen.
„Was ist passiert?“
Sie beobachtete den Qualm, den sie ausstieß und rang mit sich, dass sah er deutlich an ihrem Gesicht.
„Er hat Schluss gemacht.“ Ihre Stimme klang gefasster und kurz schaute sie ihm ins Gesicht. „Weil ich nicht wollte. Hatte es satt, dass er mich darauf reduziert.“
Er wusste nicht, was er sagen sollte.
„Hey, du solltest jetzt deine Moralpredigt halten von wegen du hast es gewusst.“
„Ich hab es gewusst,“ sagte er trocken.
„Trottel! Man muss nicht auch noch den Klugscheißer raushängen lassen.“ Sie boxte ihm in die Seite und lachte, gleichzeitig kamen ihr Tränen und sie versuchte sie wegzuwischen, aber es gelang ihr nicht. Immer neue Tränen bahnten sich ihren Weg über ihr schönes Gesicht. „Ich habe ihn doch geliebt.....ich bedeute ihm auch was.......“
Er zog sie hoch in Richtung Couch. Nachdem sie saß, wenn man ihre Körperhaltung so nennen könnte, öffnete er quietschend den Schrank, der einer kleinen Bar ähnelte, wenn man sich die Anzahl der Flaschen anschaute. Innerlich verfluchte John die Schranktür.
Es dauerte nicht lange und er stellte 2 ‚Cola libre’ auf den Tisch. Sie schaute auf und lächelte. „Du weißt genau was ich brauch........“
Er stupste sie an. „Naja Kleine, das war nun nicht so schwer zu erraten.......“
John holte noch schnell den Aschenbecher aus dem Flur, den würden sie heute bestimmt noch brauchen, und setzte sich neben Ria.
Sie lächelte zaghaft. Auch wenn sie versuchte stark zu wirken........Sie konnte ihm nichts vormachen. Natürlich, sie war stark, aber das hieß nicht, dass sie alles so leicht wegstecken konnte.
Kaum sah sie den Aschenbecher zündete sie sich eine neue Kippe an und nahm einen Schluck von dem Rumgetränk. Auch er trank von seinem Glas.
„Vielleicht sollte ich dich beim nächsten mal vorher fragen, ob ich mich in jemanden verlieben sollte, oder nicht.“
Am besten gleich in mich, aber das sagte John natürlich nicht. Ob sie ihn überhaupt jemals als Freund, nicht nur als besten Kumpel, in Erwägung gezogen hatte? Er glaubte nicht.
„Als ob du jemals auf mich gehört hättest,“ sagte er grinsend. „Du hast dir ja auch gegen meinen Rat die Haare schwarz statt dunkelbraun gefärbt.....“
„.......und es danach bereut. Jaja ich weiß. Aber zum Beispiel habe ich auf dein Anraten die Zigarettenmarke gewechselt und dafür bin ich dir sehr dankbar,“ sie lachte.
Typisch. So ein Bespiel konnte auch nur sie einbringen. Aber er konnte sich nicht erinnern, dass sie ein anderes mal auf ihn gehört hatte. Eigensinnig wie sie war...... Er lächelte innerlich.
„Aber sonst nicht einmal.“
„Dann mach bessere Ratschläge.“ Sie steckte ihm die Zunge raus.
Zwischendurch füllte er die Gläser auf.
„Gar nicht mehr verlieben,“ entgegnete er grinsend.
„Gute Idee.“
„Nur noch Sex und Kuscheln, wann du willst und mit du gerade willst.“
„Ich werds versuchen......“ meinte sie mit einem schiefen Grinsen.
Sie schwiegen eine Weile in der weitere Gläser gefüllt und Zigaretten geraucht wurden.
„Wollen wir nicht Blade II schauen? Wir wollten uns den doch schon länger zusammen ansehen. Hab jetzt ja auch wieder mehr Zeit,“ schlug Ria mit fröhlicher Stimme vor.
„Gerne!“ Er stand auf. „Ich geh sie holen.“ Er ging ins Schlafzimmer. Während er das Video suchte, hörte John wie Ria ins Bad ging.
Als sie wieder zusammen im Wohnzimmer saßen, war Ria wieder ordentlich geschminkt und die Frisur saß auch wieder. Sie lächelten sich an als der Film begann.
Es war spät und sie hatten beide noch weitere Cola libre getrunken. Ihr Kopf lag mittlerweile auf seiner Schulter und er hatte einen Arm um sie gelegt. John schaute in ihr friedliches Gesicht. Sie sah süß aus, wenn sie schlief. Er strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht und als er sie berührte, huschte ein Lächeln über ihr Gesicht.
Am Ende des Filmes wachte sie auf. Das Glas restlich leerend, sah sie ihn lächelnd an.
In dem Moment hätte John sie am liebsten geküsst. Sie musste wohl seine Gedanken gelesen haben, denn auf einmal spürte er ihre Lippen auf seinen. Sie hatte zu viel getrunken, dass war die einzige Erklärung.
Doch alle weiteren Gedanken wurden verband als er Rias Hände auf seinem Körper und ihre Zunge in seinem Mund spürte.
Am nächsten Morgen wachte John verkatert auf. Er konnte sich nicht mehr an alles erinnern, was in der Nacht passiert war. Wo war die Decke hergekommen? Hatte er sie noch zugedeckt? Sich durch die Haare mit der Hand fahrend stand er auf.
Ein Glas Wasser und’ n Aspirin. Nachdem er sein Glas geleert hatte, machte er ein weiteres für Riana fertig. Dann stapfte er ins Bad und blieb erstarrt mit seinem Blick in Spiegel hängen. Ein Knutschfleck an Hals und er war.........nackt!
Was hatten sie da getan? Er hatte mit seiner besten Freundin geschlafen...... in die er schon ewig verleibt war. Und nun? Was würde jetzt aus ihnen werden? Sicher würde sie es bereuen?
Er sollte sich lieber etwas anziehen. John schlüpfte in seinem Schlafzimmer in Boxershorts, weite Jeans und einem weiten Shirt.
Als er sich umdrehte, sah er wie Ria aus dem Wohnzimmer kam. Sie hatte sein Shirt an.
Er reichte ihr das Glas mit dem Aspirin. Dabei konnte er ihr nur kurz in die Augen schauen.
„Danke“ Sie trank aus und reichte es ihm zurück. Ria musste gähnen.
„Kaffee und Brötchen?“ fragte er. Sie nickte nur und verschwand im Bad.
Als sie fertig angekleidet und leicht geschminkt in der Küche stand, war er bereits mit Frühstück machen fertig.
„Morgen.“ Sie lächelte
„Morgen.“ Er lächelte zurück, wünschte er könnte in ihren Augen lesen.
Es war nicht das erste mal, dass sie bei ihm geschlafen hatte. Auch wenn dass letzte mal schon eine ganze Weile her war, aufgrund ihrer Beziehung. Die male hatte er aber nicht mit(!) ihr geschlafen.
Sie saßen sich gegenüber und er schaute auf. Ria war ganz auf ihr Brötchen vertieft. John schluckte. „Wegen heute Nacht.....“
„Ja.......wir hatten wohl etwas viel getrunken......“ Es hörte sich auch bei ihr etwas unsicher an. Wahrscheinlich wusste sie auch nicht damit umzugehen.
Nach dem Frühstück meinte sie los zu müssen. Er brachte sie kurz zur Tür. Einen Moment schien es als würden sie sich nicht umarmen, wie sonst. Doch als sie es dann doch taten, drückte er Ria noch fester als sonst an sich und sie murmelte ein ‚Danke.’
„Ich bin immer für dich da,“ sagte er lächelnd als sie sich von einander lösten.
Als Ria sich umdrehte, zog er sie noch einmal zu sich und küsste sie. „Ich liebe dich,“ murmelte er leise.
Was hatte er nun schon wieder getan? Wollte er denn alles kaputt machen? Dachte er verzweifelt.
Ihr Blick war verwirrt und sie ging ohne sich noch einmal umzudrehen.
Sein Ende
John schloss die Tür hinter sich, lehnte sich dagegen und rutschte auf den Boden. Was hatte er getan? Was zum Teufel hatte er getan?
Als 3 Stunden später zwei Kumpels vor seiner Tür standen und klingelten, saß er noch immer so da. Er öffnete die Tür. Bei dem Anblick ihres Freundes hörten sie auf rumzualbern und ließen ihn nach einem kurzen Gespräch wieder allein.
Er nahm das Telefon in die Hand. Er wollte sie anrufen, oder sollte sie besser anrufen, es klären.
„Hallo, hier ist Riana Ronanejo.“
„............“ Ihm rannen Tränen über die Wange. Wie peinlich!
„Wer ist da?“
„............“
„Hallo?“
Er legte auf. Für Stunden saß er auf dem Flus, rauchte eine nach der anderen. Kaum zu glauben, dass er gestern noch überlegt hatte, wie er den Rauchgeruch am besten wieder los werden würde.
In diesem Moment hasste er sich selbst. Die Wahrscheinlichkeit, dfass sie Freunde bleiben würden, dass sie ihn immer noch gern hatte, dass sie weitere fröhliche Stunden verbringen würden, war mit seinen Worten gestorben.
Irgendwann erhob er sich und schlurfte zu seinem Rechner. Hochfahren, Modem an. Die ICQ – Liste erscheint. Er klickte sie weg, fühlte sich zu leere um etwas zu schreiben.
Seine Lieblingsmusikseite öffnete sich. John schaltete die Lautsprecher ein und Musik schalte aus ihnen. Doch sie berührte ihn nicht, prallte an ihm ab.
Klick.Klick.Klick. Er klickte sich von einer Seite zu anderen, aber schaute sie sich kaum an. „Ohoh.....“ Eine
ICQ – Nachricht. Sie war von ihr! Hallo, mehr stand da nicht. Wie es ihr wohl ging? Jetzt erschien eine Frage. ‚Hast du angerufen’
‚Ja’
‚............Meintest du das heute morgen ernst?’
‚Tut mir Leid’
‚?’
‚Ja’
‚.........du meintest es ernst?’
‚Ja’
‚Das tut dir Leid’
‚Ja’
‚Muss es doch nicht. Du bist mein bester Freund. Ich hab dich sehr gern.........warum hast du nie was gesagt?’
‚ Ich wollte nichts kaputt machen...............bleiben wir trotzdem Freunde?’ Er traute sich kaum die Frage zu tippen, viel zu viel Angst vor der Antwort hatte er.
‚Natürlich! Wenn es für dich okay ist.........für mich ist es das. Du wirst für mich immer der beste Freund sein’
Das war direkt. Sie würde ihn ewig gern haben, aber nie leben, dass wollte sie ihm damit sagen und er hatte verstanden.
Ihr Ende
So war es dann auch. Sie blieben Freunde, trafen sich zwar nicht mehr so oft wie früher, aber immer noch mindestens einmal die Woche. Doch die Treffen wurden immer seltener. Sie hatte einen neuen Freund und er ertrug es einfach nicht in ihrer Nähe zu sein und doch zu wissen, dass es nie etwas zwischen ihnen geben würde. Die große Vertrautheit war trotz der Versprechen nach dieser einen Nacht gestorben.
Jetzt hatte er selbst eine Freundin. Er tat alles für sie. Verwendete jede freie Minute damit es ihr gut ging. Und er war nicht unglücklich..........glücklich traf es aber vielleicht auch nicht. Aber die Welt war in Ordnung für ihn so wie sie war.
Doch dann stand sie vor der Tür. Ein ¾ Jahr nach dieser verändernden Nacht stand sie vor seiner Tür mit verheulten Augen. „Ria..........“
Sie stand einfach nur vor der Tür und schaute sie aus unglücklichen Augen an. Er wollte ihr an den Kopf schmeißen, dass sie mit ihren Problemen zu jemanden anderen gehen sollte. Dass er nicht ihre shoulder-to-cry-on sein wollte. Aber letztlich fragte er nur: „Was machst du hier?“
„Ka-Kann ich hereinkommen?“ Er nickte und ließ sie vorbei. Erst jetzt in dem veränderten Licht, sah er, dass sie ein blaues Auge hatte. Nun war er besorgt. Er nahm den Telefonhörer und wählte die Nummer seiner Freundin.
Ria schaute nur zu.
„Hallo Schatz.“ „Ja ich weiß, dass wir heute verabredet sind, deswegen rufe ich ja an.“ „Hmhm. Wenn du mir nicht zu böse bist, würde ich es gern verschieben.“ „Ja mir ist was dazwischen gekommen. Du weißt, wenn es nicht wirklich wichtig wäre, würde ich dir nicht absagen.“ „Ich liebe dich.“ „Ich meld mich morgen wieder. Bye mein Schatz.“
Er legte auf und sah sie an.
Sie dachte nur daran wie liebevoll und fürsorglich seine Stimme eben geklungen hatte.
„Komm wir setzen uns ins Wohnzimmer.“ Sie setzten sich beide.
Still rannen ihr Tränen über die Wange bis über die aufgeplatzten Lippen.
Dieser Anblick machte John schwach. Er hatte sie doch immer vor allem Kummer beschützen wollen. Tröstend nahm er sie in dem Arm. „Was ist denn passiert, meine Kleine?“ So hatte er sie auch früher genannt, wenn er sich sorgen um sie gemacht hatte.
Sie schluchzte in sein Hemd. Lehnte ihren Kopf gegen seinen Oberkörper.
Beruhigend streichelte er ihr durch das Haar.
Ende
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