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Reich der Schatten
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Er stützte seinen Kopf ab, der immer schwerer erschien. Die Augen waren blutunterlaufen und von dunklen Schatten umrahmt. Er wusste selbst nicht wie lange es her war, dass er das letzte mal richtig geschlafen hatte.
Wie oft und wie lange er schon mit dem Rücken an der Flurwand gesessen hatte, konnte er nicht sagen.
Sein Blick richtete sich auf den großen Spiegel vor ihm. Er hasste das Bild, das er darin sah. Er ertrug es nicht mehr. Ein Monster, das sah er im Spiegel. Das Monster, das alles in seinem Leben kaputt gemacht hatte, das ihm jemals lieb und teuer gewesen war. Es war das gleiche Bild was die anderen von ihm sahen. Nicht den Menschen, sondern nur noch dieses verabscheuungswürdige Wesen.
Wahllos griff er nach einem Gegenstand von der Kommode und zerstörte sein Spiegelbild.
Der Spiegel zersplitterte. Einige Scherben trafen ihn und hinterließen blutige Schnitte.
Doch er fühlte es kaum.
Vielleicht hätte er geweint, aber er hatte in den letzten Wochen gelernt, dass es nichts brachte. Es war sinnlos. Nichts änderte sich dadurch, wurde besser und niemand verzieh ihm dadurch.
Das ihn die Schuld zerbrach, interessierte keinen. Sie sahen nur was er angerichtet hatte und nicht wie er selbst darunter litt auch ohne, dass sie ihn noch so bestraften.
Sie sahen ihn nicht an, sprachen nicht mit ihm. Nur ein kurzer verachtungsvoller Blick, dann ignorierten sie ihn wieder, wenn er einem von ihnen begegnete.
Am Anfang hatten sie ihn beschimpft, angeschrieen oder sogar geschlagen. Ihre jetzige Strafe war härter.
Er schaute auf sein verzerrtes Spiegelbild. Warum nicht? Warum tat er ihnen nicht den Gefallen und verschwand von dieser Welt? Es hatte sowieso keinen Sinn mehr.
Er griff nach einer Spiegelscherbe. Vielleicht würde man ihm dort vergeben, wo er jetzt hin kam.
Ein letztes mal sah er sein Gesicht in dem Splitter und es war nicht das eines Monsters, sondern wirklich seines.
Mit einem Lächeln führte er die Scherbe an seinen Arm.
Man würde ihm vergeben.
Ende
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